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Amazon KDP – Aus Kindle Unlimited wird Kindle+: Was das für Autoren bedeutet

Wie Amazon gestern mitgeteilt hat, finden zwei grundlegende Änderungen rund um deren Abo-Programm Kindle Unlimited Anwendung. 1) Wechsel von “Kindle Unlimited” zu Kindle+. 2) Einbezug von Hörbüchern bei Kindle+. In diesem Beitrag erfahrt ihr alles, was wir gerade (zum Zeitpunkt der Ankündigung) darüber wissen.

Was ist/war Kindle Unlimited?

Kindle Unlimited war ein Abo-Modell von Amazon, das es Leser:innen ermöglicht hat, eine monatliche Abo-Gebühr zu bezahlen und dann Monat für Monat aus einem Pool aus angemeldeten E-Books frei auswählen zu können. Man hatte eine begrenzte Anzahl „Plätze“ in der Kindle Bibliothek und konnte diese Bücher ohne zusätzliche Kosten lesen. War die Bibliothek voll, musste man erst ein Buch entfernen, um das nächste hinzuzufügen. Autor:innen, deren Bücher tatsächlich gelesen wurden, wurden dann entsprechend am Topf mit allen Einnahmen aus dem Abonnement-System beteiligt – je nach Anzahl der gelesenen Seiten. Das bedeutet: je mehr Seiten gelesen werden, desto höher war der Verdienst.

Urheberseitig stand die Möglichkeit zur Anmeldung bei Kindle Unlimited Verlagen und allen Selfpublishern offen, die ihr Buch über KDP veröffentlicht und sich für das „KDP Select“ Programm angemeldet haben. Dieses hatte die Voraussetzung, dass man sein E-Book ausschließlich bei KDP, also Amazon, verkauft. Nur dann konnte man das besagte Buch für Kindle Unlimited anmelden und Abonnenten anbieten.

1) Wechsel von “Kindle Unlimited” zu Kindle+

Kindle Unlimited war seit jeher das Abo-Programm von Amazon. Autor:innen (und Verlage) konnten ihre Bücher dort anmelden.

Das Prinzip ist immer noch wie bei jedem Abo-Modell: Die Endkunden zahlen eine monatliche Gebühr und können die frei verfügbaren Titel ohne Zuzahlung lesen. Das bedeutet, im Kern gibt es Kindle Unlimited immer noch genau so, wie es das immer war.

Ab heute heißt dieses Abo aber nicht mehr Kindle Unlimited, sondern Kindle+ (evtl. angelehnt an Konkurrenz wie z. B. Kobo+). Auch inhaltlich gibt es einen Unterschied: Das Angebot umfasst nicht länger nur E-Books.

Amazon erklärt das wie folgt:

Sie können mehr Leser:innen erreichen, indem Sie Ihre Hörbücher auf Kindle+ bereitstellen. Dadurch eröffnen sich neue Möglichkeiten, durch eine neue und wachsende Leserschaft Tantiemen zu verdienen. Die Nachfrage nach Hörbüchern nimmt weiter rasant zu. Jetzt können Millionen von Kindle+ Abonnent:innen ohne zusätzliche Kosten Bücher lesen oder anhören – oder auch beides. Wir haben mit eBooks großartige Ergebnisse für Autor:innen in KDP Select erzielt, und wir freuen uns, Autor:innen diese Möglichkeit jetzt auch mit Hörbüchern bieten zu können. Indem wir das Kindle+ Abonnement um Hörbücher erweitern und dadurch ein neues Format bereitstellen, möchten wir weitere Abonnent:innen gewinnen und Leser:innen eine breitere Auswahl bieten, die sie zum Lesen anhält.

2) Einbezug von Hörbüchern bei Kindle+

Kindle+ ist nicht einfach nur eine Umbenennung von Kindle Unlimited. Inhaltlich wird es eine große Neuerung geben: Die Möglichkeit für Autor:innen, Hörbücher im Programm anzumelden (und folglich für Endkund:innen, diese im Rahmen ihres Abos anzuhören).

Zwei Haken gibt es:

  • Aktuell ist das Hinzufügen von Hörbüchern nur im US-Markt möglich.
  • Das Hinzufügen von Hörbüchern unterliegt strikten Bedingungen, z. B. (genau wie bei E-Books) die exklusive Verfügbarkeit auf Amazon.

Der Hintergrund der Einführung von Kindle+ anstelle von Kindle Unlimited

Warum genau man sich für die Umwandlung von Kindle Unlimited zu Kindle+ entschieden hat, weiß natürlich nur Amazon selbst. Wer sich aber die Voraussetzungen, ein Hörbuch zu Kindle+ hinzuzufügen, ansieht, bekommt schon ein ganz gutes Gefühl, in welche Richtung es gehen könnte.

So übertragen Sie Ihre Hörbücher auf Kindle+

Ab heute können Sie neue Kund:innen erreichen, indem Sie Ihre Hörbücher auf Kindle+ verfügbar machen.

  • Hörbücher mit virtueller Stimme: Wenn das zugehörige eBook bei KDP Select angemeldet ist, werden Hörbücher mit virtueller Stimme automatisch in Kindle+ (und in den Audible Plus-Katalog) aufgenommen. Wenn Ihr eBook bereits angemeldet ist, ist Ihr Hörbuch jetzt für Kindle+ Hörer:innen verfügbar, und Sie müssen nichts weiter tun. Wenn Sie Ihr Hörbuch auf Kindle+ verfügbar machen möchten, wechseln Sie zu Ihrem KDP-Bücherregal und melden Sie Ihr eBook bei KDP Select an. Ihr Hörbuch wird dann automatisch hinzugefügt.
  • ACX-Hörbücher: Sie können Ihre ACX-Hörbücher jetzt zu Kindle+ hinzufügen, indem Sie sie in Ihrem KDP-Bücherregal bei KDP Select anmelden. Geeignete Titel müssen exklusiv vertrieben werden, wobei Audible und Whispersync für Voice (Lesen und Hören) aktiviert sind. Sehen Sie in der Hilfe nach, ob Ihr ACX-Titel alle Eignungsvoraussetzungen erfüllt.

Wie man sieht, bestehen ausschließlich für Hörbücher, die im Rahmen über KDP im Rahmen von deren „virtual Voice“ Programm entstanden sind, geringe bzw. keine Hürden, diese bei Kindle+ anzumelden.

Was genau ist Virtual Voice?

Bei Virtual Voice handelt es sich um ein recht neues Programm, das vor kurzem bei KDP eingeführt wurde und aktuell noch in der Betaphase ist. Diese Option kann in der Betaphase nur auf dem US-Markt und von über KDP veröffentlichte Bücher genutzt werden. Bei diesen zu deutsch „Hörbüchern mit virtueller Stimme“ handelt es sich schlicht und ergreifend um KI-Hörbuchsprecher. Das Hörbuch wird also von virtuellen Stimmen eingesprochen.

Was sagt uns das?

Offensichtlich ist der Schritt von Kindle Unlimited zu Kindle+ ein Weg von Amazon, zu versuchen, deren Virtual Voice Programm noch mehr zu stärken. Denn die Pipeline wird hier ganz eindeutig: Ein Autor veröffentlicht sein Buch bei KDP, produziert dann ein KI-Hörbuch über KDP und veröffentlicht dieses im Anschluss exklusiv bei KDP. Das bedeutet für KDP auch mehr Umsatzpotenzial, insbesondere in Fällen, in denen Autorinnen 1) normalerweise gar kein Hörbuch produziert hätten, z. B. aus Kostengründen, 2) oder normalerweise ein produziertes Hörbuch „breit“ auch auf allen anderen Plattformen angeboten hätten, sodass Amazon kein Alleinanbieter wäre.

Auf Amazon.de wurden bereits die „Kindle Unlimited“-Hinweise durch „Kindle+“ ersetzt

Kindle+: Was ist der Unterschied zu Audible?

Bei Audible handelt es sich in erster Linie um einen Händler für Hörbücher. Darunter können z. B. auch BookBeat, Thalia, Spotify fallen. Bei Audible kann prinzipiell jedes Hörbuch mit der entsprechenden Shopanbindung angehört und ggf. im Rahmen eines Abos vom Endkonsumenten angehört werden.

Kindle+ richtet sich dagegen speziell an Bücher, die (in der Regel von Selfpublishern) bei KDP veröffentlicht wurden. Durch die aktuellen starken Beschränkungen richtet sich das Angebot außerdem hauptsächlich an diejenigen, die ihr Hörbuch bei KDP selbst mit Virtual Voice produzieren.

Schlussendlich umfasst ein Audible-Abo für Endkunden „nur“ Hörbücher, während Kindle+ E-Books und Hörbücher umfasst (zumindest diejenigen, die dort angemeldet sind).

Die Reaktionen sind verhalten

Auf Plattformen wie Reddit, Facebook & Co. wird Kindle+ bereits rege diskutiert. Was für manche auf den ersten Blick wie zusätzliches Einnahmepotenzial aussehen mag, wird insgesamt eher negativ aufgenommen.

Folgende Aspekte sind dafür verantwortlich:

  • Das Kindle+-Abonnement könnte teurer und damit unattraktiver für Endkund:innen werden.
  • Die Bedingungen des Programms, die Amazons “Virtual Voice” (KI) Hörbücher bevorzugen, könnte dazu verleiten, in Aussicht auf den schnellen Profit schnell alle E-Books als Virtual Voice Hörbücher umzusetzen = noch mehr AI Slop auf Amazon.
  • Zu Beginn werden E-Books und Audiobooks in derselben Rate nach gelesenen und gehörten Seiten bezahlt. Das kann aber in Zukunft angepasst werden, eventuell auch zu Ungunsten der Autor:innen

Außerdem wird “doppelter Konsum” (E-Book und Hörbuch) nicht doppelt bezahlt. Und auch das könnte zum Problem werden.

Das Problem mit Re-Reads bei Kindle Unlimited und Kindle+

Das ist leider auch schon beim regulären Kindle Unlimited der Fall gewesen: Wer ein Buch einmal über Kindle Unlimited gelesen hat und es ein zweites Mal liest (egal, ob im selben Ausleihvorgang oder zum Beispiel Wochen/Monate/Jahre später, der beschert dem Autor/der Autorin keine zusätzlichen Tantiemen. Die Seiten werden in der Ausschüttung schlichtweg nicht gewertet. Das bedeutet, wenn ich ein Buch in Monat A und Monat B 2x über Kindle Unlimited lese, habe ich in beiden Monaten für mein Abonnement bezahlt; der Autor wird aber nur in Monat A in Form einer Ausschüttung beteiligt.

An sich ist das für die Urheber natürlich ungünstig, aber man kann es noch logisch verargumentieren: Wer sich ein physisches Buch kauft, kann es auch unzählige Male lesen, ohne noch mal extra dafür Geld zu bezahlen. Allerdings ist der Ertrag an einem physischen Buch für den Urheber oftmals viel größer als für die entsprechenden gelesenen Seiten bei Kindle.

Bei Kindle+ gibt es nun aber eine äquivalente Regelung mit Hörbüchern: E-Books und Hörbücher werden nämlich auch nicht doppelt bezahlt. Das schließt z. B. folgende Fälle ein:

  • Ich lese ein E-Book über Kindle+ und im Nachgang höre ich (ebenfalls über Kindle+) noch mal das Hörbuch an
  • Ich höre ein Hörbüch über Kindle+ und besorge mir gleich danach noch das E-Book über Kindle+
  • Ich lese das E-Book und höre gleichzeitig (oder versetzt) das Hörbuch. Auf beides habe ich über Kindle+ Zugriff.

In all diesen Szenarien würde der Autor NUR einmal für die gelesenen bzw. gehörten Seiten bezahlt werden (je nachdem, was zuerst kommt). Das ist wiederum eine ganz schöne Abweichung vom aktuellen Status quo. Wer sich andernorts ein E-Book und ein Hörbuch kaufen will, muss in der Regel entweder für zwei Abonnements bezahlen oder mindestens eine der Erscheinungsformen separat kaufen. Das kann für Autor:innen Umsatzeinbrüche oder zumindest verschenktes Umsatzpotenzial bedeuten.

Was ist jetzt für deutsche Autor:innen wichtig?

Tatsächlich gibt es in Deutschland aktuell noch nicht viel zu beachten, denn: Sowohl die Hörbuchanmeldung in Kindle+ als auch das „Virtual Voice“ Programm von Amazon sind aktuell nur im US-Markt (also auf Amazon.com) verfügbar. Wer in Deutschland über Amazon.de veröffentlicht, hat aktuell noch keine Möglichkeit, mitzumischen.

Nichtsdestotrotz fand das Rebranding zu „Kindle+“ bereits auch bei uns statt. Auch Kindle-Unlimited-Abonnenten wurden per Mail informiert. Für uns heißt es also erst einmal: Abwarten und sehen, was die Veränderungen auf dem US-Markt bringen.

Auch das KDP-Dashboard für Selfpublisher hat sich verändert: Anstelle von „gelesenen“ Seiten ist bereits jetzt von „gelesenen und gehörten“ Seiten die Rede

Alle Informationen auf einen Blick

Im englischsprachigen Raum haben viele bereits eine Mail zum neuen Programm bekommen. Alle anderen können die Ankündigung und alle Informationen online nachlesen:

Schon davon gehört?

Und werdet ihr eure Hörbücher bei Kindle+ haben wollen, sobald das in Deutschland möglich ist?

Machst du gerade deine ersten Schritte im Bereich Selfpublishing mit Amazon/KDP? Schnapp dir doch eine günstiges Exemplar aus der Restauflage meines „Selfpublishing“-Ratgebers.

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