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Über meinen Austritt aus dem Bundesverband junger Autoren

Ich habe befürchtet, dass ich diesen Schritt gehen muss, und jetzt ist es passiert: Ich bin im Februar 2026 mit sofortiger Wirkung beim Bundesverband junger Autoren ausgetreten. In diesem Beitrag fasse ich zusammen, was mich über ein ganzes Jahr hinweg zu meiner Entscheidung motiviert hat.

Vorab

Ich bin dem Bundesverband junger Autoren dankbar, dass ich durch eine Pitch-Veranstaltung vor ein paar Jahren meine heutige Agentin kennenlernen durfte. Eben jene Pitch-Aktion wurde jedes Jahr zur Leipziger Buchmesse organisiert. Ich fand immer, dass das eine tolle Möglichkeit ist, gerade neuen/unerfahrenen Autoren (und das ist ja die Haupt-Zielgruppe einer solchen Veranstaltung) eine Brücke zu vielversprechenden Agenturen und Verlagen zu bauen. Das Wichtigste dabei ist aber: zu seriösen Agenturen und Verlagen. Und genau in dieser Hinsicht hapert es.

Was ist vorgefallen? 2025

Letztes Jahr haben sie erstmals einen potenziell gefährlichen Verlag zu so einer Aktion zugelassen. Ich habe schon damals eine lange Mail zur Aufklärung geschrieben, dass viele Autoren schon unangenehme Rechtsstreits mit den Leuten hinter diesem Verlag führen mussten, weil diese gern mit Abmahnungen um sich werfen, sobald ihnen eine freie Meinungsäußerung nicht passt.

Besagte Mail habe ich schon vor der Pitch-Veranstaltung geschrieben und keine Antwort erhalten. Nach der Pitch-Veranstaltung habe ich nachgehakt und erfahren, dass der Pitch genau so stattgefunden hat wie geplant. Ich wurde um weitere Informationen gebeten und habe diese auch geliefert sowie die Erlaubnis eines betroffenen Autors eingeholt, damit der Bundesverband junger Autoren sich auch mit ihm kurzschließen und sich weitergehend informieren kann.

„Witzige“ Randnotiz: Als ich selbst einen Rechtsstreit mit den Leuten hinter diesem Verlag hatte, habe ich den Vorstand des Bundesverbands junger Autoren zuerst um Hilfe gebeten und mich erst nach deren Schweigen an einen Anwalt gewandt. In der ersten Antwortmail in diesem Fall wurde sich darauf aber bezogen. Es war also bekannt, dass ein Mitglied von deren Abmahn-Wahn betroffen war – und es war ihnen schlicht egal.

Meine Hoffnung war, dass sie den Fehler 2026 nicht wiederholen würden. Dass sie verlagssuchenden Autoren, die sich vielleicht noch nicht gut auskennen und es nicht besser wissen, nicht noch eine Rampe zu diesem Verlag bauen. Das Fazit des Mailverkerhs war: Man werde das „beobachten“. Daraufhin habe ich nichts mehr vom Bundesverband junger Autoren zum Thema gehört.

Siehe da: Der Fehler wurde 2026 wiederholt

Was passierte nun 2026? Nicht nur war der obige Verlag zurück, nein. Sie hatten gleich noch einen zweiten Misstrauen erweckenden Verlag im Portfolio, bei dem eine Google Suche nach dem Geschäftsführer ausgereicht hätte, um zu wissen, dass man niemanden dorthin vermitteln will. Jenny hat in ihrem Video alles zusammengefasst – ich sage nur: Ich als wohlwollender Verband, der nur das Beste für Autoren im Sinne hat, würde niemanden an einen Verleger vermitteln wollen, der zwei Menschen getötet und seine letzte Firma mit Insolvenzschulden in Millionenhöhe hinter sich gelassen hat.

Genau das – dass man nicht nur den Verlag des Vorjahrs, sondern auch den Phantorion Verlag als neues Beispiel eines Verlags, an den man keine Autoren vermitteln sollte, zur Pitch-Veranstaltung eingeladen hat – hat den Ausschlag für mich gegeben. In einer letzten Mail habe ich darauf hingewiesen, warum ich diese Entscheidung zutiefst verurteile und was es (s.o.) über den Phantorion Verlag zu wissen gibt, das sie eigentlich dazu bewegen sollte, sie nicht einzuladen.

Tenor der Antwortmail (salopp von mir umformuliert):

1. Zum Verlag, der zum zweiten Mal dabei war: Nur weil ein Verlag dafür bekannt ist, jede negative Google-Rezension löschen zu lassen, jede negative Meinungsäußerung mit Abmahnungen im Keim zu ersticken und Autoren notfalls vor Gericht zu zerren, damit deren Praktiken nicht öffentlich bekannt werden, heißt das ja nicht, dass der Verlag unseriös ist.

2. Zum Phantorion Verlag: Nur weil ein Geschäftsführer jemanden totgefahren und Insolvenzschulden in Millionenhöhe hat, heißt das ja nicht, dass sein Verlag unseriös ist.

Und 3., mein Favorit: Es gibt ja immer Verlage, die ein Autor mehr oder weniger mag.

Vor allem Nummer 3 hat stark suggeriert, als hätte ich nur ein persönliches Problem mit besagten Verlagen, und argumentiert völlig an den Tatsachen vorbei – Hauptsache, man muss sich nicht damit auseinandersetzen.

Also fassen wir zusammen: Ein Verband, der sich eigentlich dem Support von Autoren insbesondere am Anfang der Karriere widmet, findet, es ist eine gute Idee, Autoren nicht nur an einen, sondern an zwei potenziell unseriöse Verlage zu vermitteln, ohne die Fakten kritisch zu hinterfragen – nicht einmal dann, wenn sie aktiv darauf hingewiesen werden. Keine Kritikfähigkeit und kein Sinn zum Umdenken vorhanden.

Was nach der Pitchaktion des Bundesverbands junger Autoren passierte

Zum Glück erledigen sich manche Probleme von selbst. Denn lediglich 2 Tage nach der Pitch-Akion, an der der Phantorion Verlag auch teilgenommen hat, hat dieser kurzerhand die Pforten geschlossen. Und nicht nur das – binnen 1-2 Tagen waren fast alle Web-Existenzen (insbesondere Instagram, LinkedIn & Co.) gelöscht. Auch hier hat Jenny noch mal das Wichtigste zusammengefasst und literaturcafe.de darüber berichtet. Kurz gesagt: Der Verlag hat zum Zeitpunkt der Pitchaktion gewusst, dass er nicht weitermachen würde, und trotzdem an der Veranstaltung teilgenommen, als wäre nichts. Nicht mal die eigenen Autoren wussten großzügig vorab Bescheid, dass es passieren würde. Ob die Bestandsautoren wirklich das Geld, die Bücher und die Rechte (zurück-)erhalten, die ihnen nun zustehen, bleibt abzuwarten.

Wahrscheinlich kann man jetzt sagen: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. So betrachte ich die Sache mit dem Phantorion Verlag und auch meine Mitgliedschaft beim Bundesverband junger Autoren, der sich übrigens nicht weiter zur Angelegenheit geäußert hat.

Fazit und treffende Schlussworte einer Kollegin

Die Buchbranche ist undurchsichtig genug. Gerade neuen Autoren mangelt es an Wissen und Erfahrung, sich vor Vertragspartnern zu schützen, die unseriös sein könnten oder (selbst wenn sie seriös sind) versuchen, das meiste für sich selbst herauszuschlagen. Ich will, dass Autoren am Anfang der Karriere gefördert und unterstützt werden – das sollte ebenso der Inbegriff von Verbandsarbeit sein. Dazu gehört allerdings auch, sie vor potenziell gefährlichen Akteuren der Buchbranche zu warnen und sie nicht willentlich und wissentlich ins Risiko hineinlaufen zu lassen. Dafür stehe ich mit allem, was ich mache, und deshalb wird ein Verband, der diese Vision nicht unterstützt, nicht länger mit meinem Mitgliedsbeitrag finanziert.

Meine Autorenkollegin Nora Bendzko hat es sehr treffend ausgedrückt:

Es ist wirklich unfassbar, dass du sogar das Gespräch gesucht hast (und nicht nur du) und dass genau gar nichts passiert ist. Ganz böse gesagt, haben Leute, die angeblich für die Rechte von Schreibenden einstehen sollen, junge unbedarfte Autor*innen diesem Typen und seinem unseriösen Geschäft zum Fraß vorgeworfen.

Wenn das unsere Interessensvertretung ist, na dann gute Nacht.

Update

Am 03.04. kam doch tatsächlich noch mal eine Mail vom Bundesverband junger Autoren. Aber selbstverständlich wurde nicht auf das Thema eingegangen, es wurde keine Stellung bezogen oder sich gar für die eigene Nachlässigkeit entschuldigt. Stattdessen wurde mir am Karfreitag (!) nur geschrieben, dass sie (nach 2 Monaten) meine Kündigung bestätigen, aber den letzten Mitgliedsbeitrag schon noch haben wollen. Das ist alles. Quasi ein „die Kohle kriegen wir trotzdem“.

Ich kann nicht sagen, dass ich „enttäuscht“ bin, denn dann hätte ich generell eine höhere Erwartungshaltung an einen Verband haben müssen, der während meiner Mitgliedschaft nur so vor sich hingeplätschert hat. Was mir sauer aufstößt, ist die Tatsache, dass ich ihnen den Vorwurf gemacht habe, dass sie sich zu den wichtigen Themen ausschweigen. Was kam darauf zurück? Eine allgemeine Auflistung, in welchen Vereinigungen rund um Autorenrechte sie denn nicht alles aktiv seien. Erneut: kein Bezug auf das konkrete Thema, um das es hier geht, in dem sie auf ganzer Linie versagt haben. Kein Reflexionsvermögen, kein Verantwortungsgefühl gegenüber ihren Mitgliedern oder anderen Autoren, die sie „eigentlich“ (offiziell) unterstützen wollen.

Wenn es dich als Verband nicht interessiert:

  • dass deine eigenen Mitglieder ungerecht behandelt werden von Firmen, die du wiederum aktiv unterstützt
  • dass dich deine eigenen Mitglieder auf Missstände hinweisen, die du daher ignorierst
  • deine eigenen Mitglieder Probleme haben, die sie in Mailform an dich herantragen und die du ignorierst
  • und du dann noch behauptest, dich würden Autorenrechte interessieren, während du gleichzeitig die völlig irrsinnige Schlussfolgerung „DKZV = unseriös, ergo: kein DKZV = seriös“ triffst
  • und du völlig blind bist für die realen Probleme von Autoren, mit deren angeblicher Unterstützung du dich lieber lasch brüstest, anstatt tatsächlich tätig zu werden

… was ist deine Verbandsarbeit dann überhaupt wert?

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