Wenn du keine Antwort (auf eine DM in Phase 1) oder eine Absage (in Phase 2) erhalten hast, bedeutet das leider, dass sich die Literaturagentur dazu entschieden hat, dein Projekt nicht aufzunehmen. Nichtsdestotrotz bedanken wir uns für dein Vertrauen, uns dein Projekt vorzustellen, und wünschen dir alles Gute auf deinem weiteren Weg. Bei der Fülle an Einsendungen, die uns erreichen und nur von einer einzigen Person im Team geprüft werden können (= von mir), ist es uns leider nicht möglich, jedem ein detailliertes Feedback zum Manuskript zu geben. Auf dieser Seite findest du daher einige häufige Gründe für Absagen. Solltest du dir dennoch ein detailliertes Feedback zu deinen Unterlagen wünschen (z. B. für eine Bewerbung bei einer anderen Agentur), sei dir mein Exposé-Check ans Herz gelegt.
Portfolioplanung
Jeder kennt die Aussage von Verlagen, ein Buch „passt nicht ins Programm“, und genau so verhält es sich bei Literaturagenturen.
- Die Agentur vertritt nur bestimmte Genres und Zielgruppen. Bei anderen Genres oder Genre-Mixes mit anderen Genres wird es schwierig.
- Die Agentur verzeichnet v.a. jetzt am Anfang im deutschsprachigen Raum einen hohen Zulauf an Einsendungen, und wir müssen ein ausgewogenes Programm aufstellen. Wir können daher (fiktives Beispiel) nicht fünf verschiedene Bücher mit Vampir-Werwölfen, die sich in sechzehnjährige Fae-Fee-Hybriden verlieben, bei uns aufnehmen. (Oder auch nur zwei.) Manchmal scheitert es daher daran, dass jemand anderes schon vorher eingereicht hat, oder es ist ein hartes Rennen, bei dem wir uns für ein Projekt entscheiden müssen.
- Die Agentur ist mit ihren Ansprechpartnern bei den großen Verlagen in regelmäßigem Kontakt und greift dort Infos ab, was aktuell gesucht wird. Auf diese Sachen konzentrieren wir uns schwerpunktmäßig(, auch wenn wir diese Schwerpunkte aus strategischen Gründen nicht immer zu 100 % nach außen kommunizieren). Andere originelle und gute Projekte, die nicht in dieses Raster fallen, haben auch Chancen – soweit noch Kapazität da ist und/oder meine Agenturkolleginnen davon ausgehen, dass sie einen passenden Käufer dafür haben. Manchmal kann das der Fall sein, manchmal leider nicht.
Formale Kriterien
Manchmal wird auch das beste Projekt nicht angenommen, wenn die Unterlagen seine Stärken (oder auch nur seinen Inhalt) nicht ausreichend widerspiegeln können. Ich bin ein Literaturscout, aber in erster Linie bin ich ein Mensch und kein Computer. Ich bin daher nicht in der Lage, mir einen objektiven Eindruck über eingesendete Unterlagen zu verschaffen – es wird immer ein subjektiver sein.
Und in meiner subjektiven Ansicht ist es mir wichtig, dass Unterlagen zu Buchprojekten mit Sorgfalt erstellt wurden. Konfuse oder nichtssagende Pitches wecken in der Regel nicht mein Interesse. Sollte ein Exposé ein fünf Minuten hingeklatscht worden und nicht einmal korrekturgelesen worden sein, werde ich das merken, und ich kann dann nicht verhindern, dass es meinen Eindruck vom Projekt schmälert. Schau dir hierzu auch gern meinen Blogpost zu Exposé-Fehlern an.
Manchmal sind eingesendete Unterlagen aus anderen Gründen nicht optimal, z. B. weil wichtige inhaltliche Punkte fehlen. Was das betrifft, kann ich dir meine Materialien zum Thema „Wie schreibt man ein gutes Exposé?“ ans Herz legen. Gerade mit Aspekten wie USPs/Zielgruppenbeschreibung/Weltenbau usw., die man auf den ersten Blick für weniger relevant hält, kann man sich oftmals eine gute Grundlage ebnen, auf der man das Interesse eines Agenten oder Scouts wecken kann.
Genauso kann es sein, dass formelle Kriterien vergessen oder „vergessen“ werden, zum Beispiel: Wenn mir ein Buch angeboten wird, das schon veröffentlicht ist, aber keine Info zu Verkaufszahlen enthält wie in der Ausschreibung angegeben, fällt es für mich raus.
Qualität
Natürlich muss ich auf einer Seite, in der es um Absagen geht, auch dieses Thema ansprechen: Aber wir können es nicht schwarz-weiß betrachten. Denn Qualität bedeutet nicht: „Das Projekt ist schlecht“, im Gegenteil. Manchmal reicht es einfach nur nicht ganz, insbesondere wenn man einen starken Zulauf verzeichnet und das Luxusproblem hat, sich unter vielen guten Manuskripten die besten aussuchen zu können.
Ich will nicht wissen, wie viele Absagen ich in meinem Leben bekommen habe, in denen es um den berühmten „Funken“ gegangen ist, der nicht überspringen wollte. Ich habe mich oft geärgert und mich gefragt: „Warum gebt ihr euch nicht einen Ruck und versucht es zumindest?“ Aber so einfach ist es leider nicht.
Die Agentur finanziert sich auf Provisionsbasis (auch ich werde übrigens auf dieser Basis bezahlt). Das heißt, ganz gleich, wie viel Arbeit wir ins Scouting, in die Vermittlung und in Verhandlungen stecken, werden wir erst bezahlt, wenn ein Manuskript a) erfolgreich vermittelt wurde und b) Geld fließt (z. B. Vorschuss, Tantiemen). Zwischen der Zusage zu einem Buch und dem ersten Geldfluss dauert es Ewigkeiten – und oftmals klappt es einfach nicht. Dann waren alle Mühen umsonst. Von Mühen allein kann sich allerdings niemand ernähren. Aus diesem Grund müssen wir bereits bei der Einreichung kritisch vorgehen und können nur Projekte bei uns aufnehmen, die (neben der formalen Passung) uns zu einhundert Prozent überzeugen. Bei denen wir ein minimales Risiko sehen, dass wir am Ende mit viel investierter Zeit und 0 Geld aus der Sache herausgehen.
Das war die Perspektive, die mir als Autorin gefehlt hat, und auch wenn ich weiß, dass es schmerzt, hoffe ich, dass sie dir dabei hilft, die Entscheidung nachzuvollziehen.
Schlussworte
Diesmal hat es bei uns leider nicht geklappt, aber natürlich freuen wir uns, wenn du bei einem neuen Projekt wieder an uns denkst. Mit den oben genannten Punkten hast du die Möglichkeit, deine nächste Einsendung so vorzubereiten und auszugestalten, um dir selbst die besten Chancen zu liefern(, wenn die Qualität stimmt). So oder so wünschen wir dir alles Gute mit deinem Projekt.
Hilfreiche Links für zukünftige Agenturbewerbungen:
- Alles zum Pitch
- Alles zum Exposé
- Alles zum Anschreiben
- Oder diese und weitere Informationen kompakt in diesem Buch lesen