Der aktuelle Rechtsstreit rund um ein Plagiat durch einen großen Publikumsverlag hat in den letzten Tagen die Bookbubble in Aufruhr versetzt. Wohin man auch sieht, sieht man Zurschaustellung von Halbwissen, Vorverurteilungen und Angst. Für alle, die das Ganze nur so semi mitbekommen haben oder gar nicht mehr wissen, wie sie jetzt darüber denken sollen, habe ich hier die wichtigsten Punkte beleuchtet: Worum geht’s und was bedeutet das für mich als Autor?
Inhaltsverzeichnis
Der Plagiatsskandal: Worum geht’s?
Nachfolgend werden möglichst knapp und objektiv die sachlichen Eckpunkte frei von Spekulation und Halbwissen zusammengefasst. Der Rechtsstreit, um den es geht, läuft bereits seit mehreren Jahren, wurde aber im Februar 2026 über einen Artikel im SPIEGEL an die breite Öffentlichkeit gebracht. Im Zentrum des Falls steht ein großer Publikumsverlag. Folgendes soll sich abgespielt haben:
Autorin A steht in längerem Austausch mit dem Verlag, reicht Exposés, Leseproben, Gesamtmanuskripte ein. Es kommt aber zu keinem Vertragsschluss; die Autorin wird geghostet. Autorin B, die bei diesem Verlag unter Vertrag ist, veröffentlicht ein Buch, das von der Makro- bis in die Mikroebene Ähnlichkeiten mit dem Manuskript aufweisen soll, das Autorin A eingereicht hat.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits aktiv in diesem Fall, so kam es z. B. schon zu mindestens einer Hausdurchsuchung.
Randnotiz: Über Wahrheit, Recht & Unrecht wird früher oder später ein Gericht entscheiden. Persönlich kann ich jedem nur raten, seine Meinung basierend auf dem eigenen Kenntnisstand über den Fall zu skalieren. Das heißt: Wer nur den Artikel gelesen hat (oder noch nicht einmal das), hat nicht genügend Informationen, um Akteure im Fall vorzuverurteilen!
Die Angst vorm Buch-Plagiat
Ein großer Publikumsverlag gibt ein Manuskript von Autorin A an Autorin B weiter, damit diese es umschreibt und mit ihnen veröffentlicht. Kann das wirklich so passiert sein? Haben Autorinnen und Verlage nicht genug eigene Ideen? Sie sollten es doch überhaupt nicht nötig haben, so etwas zu tun.
Genau das sind Gedanken, die mich in den ersten Jahren meiner Autorinnenkarriere begleitet haben. Aber: Je länger ich dabei war, desto öfter habe ich genau solche Geschichten gehört – ja, auch in Bezug auf die großen Verlage. Geschichten, bei denen es nie zu einem Prozess kam, weil Plagiate im fiktionalen Bereich unglaublich schwer zu belegen sind.
Die hohe Dunkelziffer ist nur eines von vielen Indizien dafür, welches Machtungleichgewicht zwischen Verlagen und Autoren herrscht – auf der einen Seite der große Konzern, auf der anderen ein einzelner Mensch, der nur wenig bis gar nichts davon mitbekommt, was innerhalb der vier Wände des Verlags passiert.
Fakt ist: So etwas kann jedem passieren. Und es ist schon einigen passiert. Viele Geschichten werden wir aber niemals hören.
Was kann ich tun, um mich zu schützen?
Ein 100-%-iger Schutz ist wahrscheinlich nie garantiert – außer du schreibst dein Buch im stillen Kämmerchen, schickst es niemals irgendjemandem und veröffentlichst es nie. Sobald du eines dieser Dinge tust, besteht theoretisch die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand dein Manuskript zunutze macht.
Was aber, wenn man den Weg über Agenturen und Verlage gehen will?
Dann kannst du zumindest versuchen, dein eigenes Risiko zu minimieren – zum Beispiel, indem du keine vollständigen Manuskripte bei Verlagen einreichst, vor allem nicht beim Erstkontakt. Je näher es auf eine handfeste Vertragsanbahnung zugeht, desto mehr vom Manuskript kannst du potenziell teilen.
Was zudem in den aktuellen Rechtsstreits relevant ist, sind Beweise für die eigene Urheberschaft (und den Zeitpunkt der Urheberschaft). Was kann im Zweifelsfall nützlich sein?
- Datensicherung, ältere abgespeicherte Zwischenstände
- Dokumente, die man sich oder anderen z. B. per Mail geschickt hat
- Screenshots, Chats oder sonstige Momentaufnahmen
- Öffentliche Posts über Schreibfortschritte, Plotinhalte, usw.
- Gesicherter Mailverkehr mit Verlagen
Fazit
Wie gesagt, es wird keinen Weg geben, sich zu 100 % vor Plagiaten oder der Weitergabe der eigenen Manuskripte/Ideen durch Verlage an andere Autoren zu schützen. Vielleicht ist aber gerade deshalb der aktuelle Rechtsstreit eine große Hilfe für alle Autor:innen. Ein so öffentlichkeitswirksamer Fall könnte zu einem Umdenken bei Verlagen führen, die sich bisher solche Praktiken erlaubt haben – sei es aus moralischer Perspektive oder zur reinen Risikobegrenzung.
