In diesem Blog poste ich immer wieder Tipps für Autoren, aber hier möchte ich etwas teilen, das ich so noch nie gesagt habe.
Inhaltsverzeichnis
Was ist vorgefallen?
Nicht zuletzt seit ich verstärkt auf Threads unterwegs bin, fällt mir immer mehr ein gewisses Muster auf, das ich mir nicht anders erklären kann als „Schreibende werden immer verzweifelter und glauben, sie würden mit mehr wirr schießenden Kanonen das Ziel besser treffen, als wenn sie mit einer einer einzigen Kanone genau zielen“.
Ich kann euch sagen, dass das in den meisten Fällen nicht funktioniert. Spätestens seit der Pitch-Aktion habe ich selbst auf der anderen Seite sehr stark gespürt, wenn jemand halbherzig an die Sache herangegangen ist. Beispielsweise wenn die Nachricht einfach nur aus zwei Zeilen ohne jeden Sinnzusammenhang oder Gespür für deutsche Sprache bestand. In solchen Augenblicken habe ich mich gefragt: Warum schickst du es mir überhaupt? Glaubt du wirklich, du hättest eine Chance damit?
Ich kann mir vorstellen, dass es in solchen Situationen nur darum geht, „die Gelegenheit mitzunehmen“. Dass die Gelegenheit faktisch nicht existiert, wenn man sich keine Mühe gibt, wird außer Acht gelassen. Der heutige Post dreht sich aber nicht nur um solche Extremfälle, sondern um das allgemeine Mindset, das sich dahinter verbirgt.
Mein Tipp für alle Autoren lautet …
… „Chill mal.“
Wir kennen es alle: Du bewirbst dich mit Projekt A bei Agenturen/Verlagen, es hagelt Absagen/Schweigen. Dann eben mit Projekt B. Mit Projekt C. Und ehe du dich versiehst, hast du das Gefühl, dass du immer und immer mehr versuchen musst, um deine Chancen zu maximieren. Du arbeitest 10 Projekte parallel aus, Exposés, Leseproben, hier noch schnell was für einen Pitch einreichen, etc., pp., um bestenfalls alles auf einmal einzureichen nach dem Schema “Hier, such dir was aus”.
Bei mir war es früher nicht anders. Aber glaub mir, wenn ich dir sage, dass es hauptsächlich nur eines bringt: nämlich dich um den Verstand. Wenn man wirr an zig Projekten gleichzeitig arbeitet, gerade so weit wie unbedingt nötig, damit man einigermaßen ein Exposé zusammenbekommt, wird der Adressat das merken. Es ist etwas anderes, ob man ein Projekt wirklich gut vorbereitet und ausgearbeitet hat oder ob man auf Quantität spielt.
Wenn Unsicherheit Chaos stiftet
Genau deshalb gab es bei der letzten Pitch-Aktion die Regel: nur ein Projekt pro Person. Es hat trotzdem einige Nachrichten nach dem Schema gegeben: “Hier ist eine Dark Romance und ich habe auch noch YA und Cozy und Romantasy und zwei Kinderbücher”, und glaubt mir, es verbessert den Eindruck nicht.
Wenn ich bei der Pitchaktion sage “1 Projekt pro Person”, erhoffe ich mir Folgendes:
- Jeder geht in sich, schaut in seine Schublade, in seine Ideenliste o. Ä.
- Er macht sich Gedanken und stellt sich die Frage: Welches dieser Projekte ist das Stärkste? Das Originellste, das Marktfähigste, das, wovon ich der festen Überzeugung bin, dass ich es jemandem verkaufen kann? Was ist mein Leidenschaftsprojekt?
- Und dieses Projekt muss es dann sein – und nicht die zehn anderen, die auch noch in deiner Loseblattsammlung herumfliegen.
Du maximierst deine Chancen nicht, indem du zehn verschiedene Dinge auf einmal machst in der Hoffnung, breiter zu streuen. Stattdessen läufst du Gefahr, dich selbst zu verwässern, zu kannibalisieren, zu überfordern, und unterm Strich keinen Schritt weiterzukommen.
Beispiel: Du pitchst mir in der nächsten Aktion ein Projekt, ich bin interessiert und frage Exposé und Leseprobe an. Dort erfahre ich dann, dass du erst 10 von angestrebten 500 Seiten geschrieben hast. In diesem Moment höre ich i. d. R. auf zu lesen. Gerade im konkreten Fall der MM Literary Agency werden keine Ideen an Verlage vermittelt, sondern Bücher (oder etwas, das in sehr absehbarer Zeit ein Buch werden kann).
Kleiner Disclaimer zum Schluss
Mir geht es nicht um die Anzahl Projekte allgemein. So mancher High Performer beschäftigt sich gern mit vielen Dingen auf einmal. Mir geht es um das Mindset, das mit diesem konkreten Phänomen in Verbindung steht. Es ist die Verzweiflung, die entsteht, wenn man ein Projekt nach dem anderen ablehnt, Absagen bekommt, das Gefühl hat, “Zeit verloren zu haben”.
Aber Zeit verlierst du nur, wenn du nicht dein Bestes gibst und dir selbst damit Chancen zunichtemachst. Wie viele halbherzige Pitches voller Fehler, ohne Sinn und/oder ohne Leidenschaft genau das widergespiegelt haben, will ich an dieser Stelle gar nicht erst sagen.
