Nova MD Erfahrungen – nie wieder!

Heute möchte ich euch Nova MD vorstellen, einen Vertriebsdienstleister für Verlage und Selfpublisher. Ich hatte schon an vielen Stellen von Nova MD gehört – an vielen Ecken auch Schlechtes. Ich wollte dem Dienstleister trotzdem eine Chance geben und habe mich mit einem Einzelband an die Sache herangewagt.

Die Ergebnisse waren ernüchternd. Das Fazit: Eine absolut unprofessionelle Zusammenarbeit und eine geradezu dreiste Haltung, mit der man sich als Selfpublisher nicht auch noch herumschlagen will.

Vertragslaufzeiten bei Nova MD

Nova MD lässt so gut wie gar nicht mit sich verhandeln. Während ich von vielen Autor:innen gehört habe, die 2-Jahres-Verträge bei ihnen abgeschlossen haben, wollten sie bei mir einen 3-Jahres-Vertrag erzwingen und haben das dann auch getan. Also: Drei Jahre gefesselt an einen Dienstleister, von dessen Qualität man sich noch gar nicht überzeugen konnte. Da ich es aber einfach mal mit einem Buch ausprobieren wollte, habe ich das auch getan. Was sollte auch schon schiefgehen?

Ich hatte ja keine Ahnung.


Anfallende Kosten bei Nova MD

Die Kosten, die für die Zusammenarbeit mit Nova anfallen, sind vielfältig und werden teilweise erst bei der Vertragsdurchsicht deutlich. Einerseits bekommen sie einen großen Teil des Kuchens des eigenen Nettoverkaufspreises ab, sodass dem Autor pro Buch nur noch eine bestimmte Marge übrig bleibt(, von der dann auch der Buchdruck gedeckt werden muss). Andererseits fallen aber noch weitere Kosten, z. B. für eine Listung und die Lagerhaltung an. Aber: Sollte das nicht eigentlich schon mit der niedrigeren Marge eingerechnet sein? Nein – stattdessen zahlt man noch extra. Insgesamt ist der Vertrag sehr autorenunfreundlich gestaltet. An jeder Ecke lauert irgendein Risiko oder potenzielle Kosten, die bestenfalls allein vom Autor getragen werden müssen.


Lagerhaltung mit Nova MD

Meine gedruckte Auflage ist im Lager eingegangen und dies wurde auch im „Intranet“ von Feiyr so vermerkt. Dort kann man praktischerweise auch die Buchbestellungen durch den Handel verfolgen. Die Bestellungen haben schon bald die vorhandene Auflage überschritten – trotzdem hat man sich nochmal extra Zeit gelassen, um mich darüber zu informieren und mir zu sagen, wie die nächsten Schritte bzgl. Auflagennachbestellung und Anlieferung sind. Das alles geht natürlich zu Lasten der wartenden Handels- und Endkunden und auch zu Lasten des Autors, dessen Name ja auf dem Buch steht.


Erreichbarkeit der Mitarbeiter von Nova MD

Einmal wurde ein vereinbarter Termin nicht eingehalten und auf meine Nachfrage hierzu nicht reagiert. Ich habe also die Nummer in der Signatur meiner Ansprechpartnerin gewählt und es ist nie jemand rangegangen. Schließlich habe ich die allgemein Nummer von Nova angerufen und bin tatsächlich durchgekommen. Die Person, die rangegangen ist, konnte aber weder meine Daten aufrufen noch kam ihr der Name meiner Ansprechpartnerin, den ich ihr genannt habe, auch nur bekannt vor. Hervorragender Eindruck.

In einem Konfliktfall, den ich weiter unten beschreibe, habe ich übrigens versucht, meine zuständige Mitarbeiterin, mit der ich gerade noch Mails hin- und hergeschrieben habe (die also im Dienst und erreichbar war) anzurufen, um die Angelegenheit vielleicht doch noch smooth klären zu können – es ist niemand rangegangen. Ich habe schriftlich um einen Rückruf gebeten, der nie erfolgt ist. Man hätte meinen können, ich hätte es hier mit einer schüchternen Praktikantin zu tun, die Angst vor direktem sozialen Kontakt hat. Professionell ist anders.


Zubuchbare Tools bei Nova MD – eine Katastrophe

Hochqualitativer Service (nicht)

Transparente Angebotsbeschreibung (nicht)

Nova bzw. die Plattform Feiyr, auf der alles geregelt wird, gibt sich keine Mühe, die Website mit aktuellen Infos zu bestücken. Mehrfach ist es passiert, dass ich mich auf Informationen auf der Website berufen habe, die so schlichtweg nicht mehr gestimmt haben. Bestes Beispiel: Auf der Website steht zum Thema “Listet ihr meinen Titel bei der deutschen Nationalbibliothek?” (Pflicht bei allen Printbüchern in Deutschland), dass dies von Nova bzw. Feiyr übernommen wird. Das ist aber nicht passiert. Als ich nachgefragt habe, wurde sich für meinen Hinweis bedankt, da diese Info nicht mehr aktuell ist und der Autor inzwischen den Prozess selbst in seinem Account auslösen muss, damit es passiert. In anderen Worten: Hätte ich nicht nachgefragt, hätte ein Fristversäumnis vorgelegen, das wieder für *mich* zum Problem geworden wäre. Immerhin haben sie den Website-Hinweis danach angepasst. Gibt einem aber auch wenig Vertrauen darin, dass andere Infos auf der Website stimmen.

Das gilt auch für kostenpflichtige Tools (nicht)

Die meisten zubuchbaren Tools von Nova haben mich nicht interessiert, weil man Marketing-Maßnahmen wie Amazon-Anzeigen auch einfach selbst umsetzen kann, ohne Geld an sie zu spenden. Bei einer einmonatigen Nutzung von NetGalley habe ich aber zugeschlagen. Wortwörtlich steht hier bei Feiyr: „Du kannst einen Platz auf dem NetGalley-Portal für 30 Tage buchen, um Dein Buch/eBook Testlesern und Rezensenten vorab oder nach Erscheinungstermin zur Verfügung zu stellen.”

Verkürzt: „Du kannst dein Buch zur Verfügung stellen“. Durch die aktive Formulierung geht man davon aus, dass man einen Zugang zu NetGalley bekommt und hier wie Verlage oder Selfpublisher, die direkt mit NetGalley in Verbindung stehen, selbst entscheiden kann, an welche und wie viele Nutzer Rezensionsexemplare vergeben werden.

Seltsamerweise habe ich nach Beginn der eigentlichen Startfrist für NetGalley keinen Zugang erhalten. Erst auf Nachfrage erklärte man mir, dass ich keinen Zugang erhalten würde, sondern nur einen Bericht am Ende des Zeitraums.

Heißt frei übersetzt: Irgendein Nova-Mitarbeiter organisiert den NetGalley-Account in meinem Namen und vergibt eine unbegrenzte Zahl an Rezensionsexemplaren an jeden, der den Finger hebt. Das Buch wird inflationär zum Fenster rausgeworfen und man hat als Autor keine Möglichkeit, Einfluss darauf zu nehmen, wer oder wie viele Rezensenten das Buch erhalten.

Größtmögliche Sorgfalt (nicht)

Gleichzeitig wurde nicht der geringste Funke Sorgfalt in diese Tätigkeit gesteckt. Nachdem ich bei Feiyr ein sehr nichtssagendes Formular ausfüllen sollte, das mit „Datei“ ohne weitere Erklärungen endete, habe ich das Buch als PDF-Version hochgeladen. Später kontaktierte mich eine Bloggerin, dass ihr Rezensionsexemplar von NetGalley total zerschossen ist, was durch die E-Book-Konvertierung der Datei entstanden sein muss und hätte vermieden werden können, hätte man genauere Informationen zu den Voraussetzungen der hochzuladenden Datei zur Verfügung gestellt.

Der Zustand des E-Books ist etwas, das man bei Nova auch vor inflationärer Versendung an Leser hätte bemerken können, hätte man sich eine Sekunde genommen, um den Qualitätszustand des fertigen E-Books zu überprüfen. Aber für 85 € und eine Arbeit, die nur aus Copy-Paste vom Feiyr-Formular in NetGalley bestand, war das einfach nicht drin.

Absolut fairer Umgang mit eigenen Fehlern (nicht)

Da die Leistung 1. nicht der dürftigen Beschreibung des Tools entsprach und 2. auch noch absolut mangelhaft erbracht wurde und 3. mir auch auf mehrfache Nachfrage verweigert wurde, zumindest Auswahlkriterien für Bewerber zu übermitteln, habe ich vorgeschlagen, die Sache abzublasen und den Preis zu erstatten.

Die Antwort: Nein, denn die Leistung wurde ja schon erbracht.

Dass die Leistung 1. nicht die ist, die ich buchen wollte, 2. auf der Website falsch dargestellt wurde und ich sie andernfalls nie gebucht hätte und 3. mangelhaft und ohne angemessene Sorgfalt erbracht wurde, stellt einen Sachmangel nach BGB dar. Ein Grund zur Kündigung. 4. wurde die Leistung erst zu einem Bruchteil erbracht, da der Zeitraum noch gar nicht abgelaufen war. Auf meinen Gegenvorschlag, denselben Bruchteil der Kosten (1/30) einzubehalten und mir den Rest zu erstatten, wurde gar nicht eingegangen.

Gleichzeitig teilte man mir mit, man würde bei Archivierung meines Buchs den Slot an ein anderes Buch vergeben. Heißt: Mit einer Archivierung meines Buchs haben sie keine zusätzlichen Kosten, weil ein anderes Buch kostenlos an dessen Stelle treten könnte. Aber das ist auch kein Grund, meine Kosten zu erstatten – warum auch, wenn man sich doppelt bereichern kann?


Kundenwert in Zahlen

Das bedeutet, dass 85 € Nova MD mehr wert sind als die gesunde Geschäftsbeziehung zu einem Kunden, mit der man einen mehrjährigen Vertrag am Laufen hat. Obwohl man mehrere Fehler eingeräumt hat, v.a. hinsichtlich der dürftigen Kommunikation der enthaltenen Leistungsbestandteile des Tools „NetGalley“, will man nicht für diese Schuld geradestehen, sondern weiter abkassieren. Sie haben die Schuld eingeräumt, aber der Kunde soll dafür bezahlen.

Das ist für mich das Gegenteil des Inbegriffs von „Dienstleistung“. Es ist einfach nur frech, respektlos und unverschämt. In meinem Fall ging es „nur“ um 85 € zusätzlich – ich will gar nicht an die Fälle denken, von denen ich schon gehört habe, in denen der Anwalt eingeschaltet werden musste, um Konflikte mit Nova MD zu klären. Man könnte meinen, dass sie sich diesbezüglich mehr Mühe geben, weitere Konflikte zu vermeiden. Aber wie heißt es so schön? Es gibt keine schlechte PR – deshalb biete ich ihnen auch gerne diese Präsentationsfläche.


Fazit: Meine Erfahrungen mit Nova MD

Ich habe mein Glück mit Nova MD versucht, kann aber jedem Selfpublisher nur davon abraten. Man hat im Selfpublishing schon genug Ärger und Scherereien – da muss man sich nicht auch noch mit einem derart unprofessionellen „Dienstleister“ wie Nova MD herumschlagen. Je nach Preissetzung und Buchausstattung kann man via PoD sogar eine bessere Marge bekommen als hier.

Hierbei handelt es sich um eine subjektive Meinung und Rezension basierend auf meinen eigenen Erfahrungen. In diesem Blog soll es hauptsächlich um Empfehlungen für Autoren gehen. Aber manchmal muss man eben auch eine Warnung aussprechen. Wer auf der Suche nach einem professionellen Kooperationspartner ist … sollte ganz schnell die Beine in die Hand nehmen, denn dort findet man keinen.

Das ist aber noch längst nicht alles! Schau unbedingt beim Blogpost von Andreas Hagemann vorbei, der über seine 2,5 Jahre Erfahrung mit Nova MD berichtet.

Nachtrag: Es gibt zwei Wege, mit negativen Rezensionen umzugehen. Einerseits könnte man sich die Kritik zu Herzen nehmen und nach Verbesserungsmöglichkeiten des eigenen Angebots und Services suchen, um weiteres negatives Feedback zu vermeiden und seine Kunden bzw. Geschäftspartner zufriedenzustellen. Oder man schickt den jeweiligen Urhebern anwaltliche Abmahnungen. Was davon in diesem Fall zutrifft, könnt ihr euch nach diesem Artikel wahrscheinlich selbst denken. Der Artikel bleibt so lange unverändert online, bis die Angelegenheit geklärt ist.

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3 Kommentare

  1. Hi Annie,
    hast Du vielen Dank für Deinen Erfahrungsbericht! Ich war schon drauf und dran, mein aktuelles Werk dem Kampenwand Verlag anzubieten, bis ich einen Blick in die Datenschutzerkärung warf: NOVA MD.
    Ich schreibe selbst. Habe letzes Jahr eine – kleine – Verlagsgesellschaft gegründet und einige Ideen, wie das mit Leben erfüllt werden kann. Hierfür suche ich Mitstreiter. Melde Dich gern, wenn das für Dich interessant klingt.
    Einen guten Wochenstart und liebe Grüße
    – Bill –

  2. Hallo Annie,

    eine sehr ernüchternde Erfahrung, danke, dass Du sie mit uns geteilt hast. Die Abmahnung bestätigt Deinen Artikel inhaltlich, was hier wohl auch als ein Gütesiegel für Deinen Erfahrungsbericht gewertet werden kann.

    Nicht abschrecken lassen!

  3. Warum macht man es in diesen Zeiten mit solchen Anbietern. Es lässt sich heute alles einfach als Autor selbst machen. Dauert und kostet sehr viel Zeit , aber man ist sein eigener Herr und hat selbst alles in der Hand. Ich kann nur jedem raten, als Selfpublisher alles selbst zu übernehmen. Viel Glück an alle. Und es tut mir immer leid, wenn so was passiert.

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