Kurzgeschichte: „Der Mondgott“

Letzte Woche ist die Anthologie „Geschichten aus dem Wunschbrunnen“ im Alea Libris Verlag erschienen. Ich bin darin mit der High-Fantasy-Kurzgeschichte „Der Mondgott“ vertreten.

Worum geht es?

Das Mädchen Juna hat in ihrem ärmlichen, von einer Dürre erschütterten Dorf einen schweren Regelverstoß begangen. Als Strafe wird sie an einen Baum genagelt, um dem Mondgott als Opfer zu dienen und den Regen zurückzubringen. Doch anstatt vom Mondgott anerkannt zu werden, wird Juna geradewegs in die Hölle gezogen – zum Dämon Trident, der sie einer ganz anderen Kreatur zum Fraß vorwerfen soll …

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Hintergrund zur Geschichte

Tatsächlich hatte ich die Kurzgeschichte „Der Mondgott“ ursprünglich für eine andere Ausschreibung geschrieben. Als ich sie schließlich einreichen wollte, hatte man die Ausschreibung inzwischen eingestampft. Da saß ich also, mit einer Kurzgeschichte, die mir sehr am Herzen lag und die ich jetzt einfach nicht unterbringen konnte – bis ich auf die „Wunschbrunnen“-Ausschreibung stieß.

Die Charaktere sind mir in kürzester Zeit ans Herz gewachsen, weshalb ich froh bin, dass sie doch noch ein Zuhause gefunden haben. Vor allem Trident hat es mir angetan, und ich bin mir sicher, dass er euch genauso in euren Bann ziehen wird wie mich!

Leseprobe (vom Anfang der Kurzgeschichte)

„Nein“, wimmerte ich. „Bitte, bitte nicht!“

Mein Flehen wurde nicht erhört. Nicht einmal die sechs Männer, die meinen Käfig trugen, würdigten mich auch nur eines Blickes.

Meine Eltern, sie waren genau hinter uns. Tränen strömten über ihre Wangen. Kopfschüttelnd starrten sie zu mir hinauf. „Warum hast du das getan, Juna?“, fragte meine Mutter. „Warum nur hast du das getan?“

„Ich habe es für euch getan!“, gab ich verzweifelt zurück. Meine Augen brannten, doch dieses Gefühl war nichts im Vergleich zu den Schmerzen in meiner Brust. Die dumpfen Schritte der Männer unter mir brachten nicht nur den Käfig zum Erbeben, sie erschütterten mein Herz jedes Mal aufs Neue.

„Du wusstest es!“, warf mein Vater mir vor. „Du wusstest, was passieren würde, wenn sie dich dabei erwischen!“

Verzweifelt umklammerte ich die Gitterstäbe meines Gefängnisses. „Was hatte ich denn für eine Wahl?“

Diese Frage konnte mir niemand beantworten. Denn die Zeiten waren hart – schlimmer, als ich sie je gesehen hatte. Ein jeder von uns lebte von der Hand in den Mund. Niemand von uns konnte etwas entbehren. Manche waren dem Hungertod näher als andere. Meine Eltern – mir war, als könnte ich ihre dürren Knochen durch ihre Kleidung durchscheinen sehen – gehörten zur ersteren Gruppe. Der Mann, von dem ich einen Laib Brot stibitzt hatte, trug wiederum so viel Fett an seinem Körper, dass er noch einen ganzen Winter überstehen konnte, ohne sich Sorgen um den Tod machen zu müssen.

Stehlen war noch nie gern gesehen gewesen, doch jetzt, da der Regen nun schon seit vielen Wochen ausgeblieben war, wurde ich mit der größten Strafe bedacht, die man sich nur vorstellen konnte.

Die Anthologie „Geschichten aus dem Wunschbrunnen“ ist ab sofort bei Amazon erhältlich. Diese Kurzgeschichte findest du außerdem auf Wattpad.

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