„Hast du noch irgendwelche Fragen?“ Kennst du das? Jemand fragt dich das und dein Kopf ist leer? Und nach dem Auflegen fragst du dich, ob du gerade irgendwelche Potenziale verpasst hast? Ich sage es dir ganz ehrlich: Der erste Call mit einer interessierten Literaturagentur ist verdammt wichtig für dich. Einmal hatte ich nach einem solchen Call ein extrem schlechtes Bauchgefühl und hätte beinahe abgesagt. Mangels Alternativen habe ich doch zugesagt … und wenige Monate später gekündigt. Das Bauchgefühl täuscht nur selten.
Aber was soll man schon fragen, v.a., wenn man noch nie in einer Agentur war und sich die Zusammenarbeit noch gar nicht so richtig vorstellen kann? In dieser neuen Posting-Reihe sammle ich fragen, die du stellen kannst, wenn du es sinnvoll findest.
Inhaltsverzeichnis
Das Übliche
Darunter fallen zunächst einmal Punkte, die du wahrscheinlich gar nicht erst erfragen musst, weil sie standardmäßig besprochen werden:
- Vertragslaufzeit (z. B. 1 Jahr)
- Provision (i. d. R. 15 oder 20 %)
- Projekt- oder Exklusivvertrag
Die weiteren Fragen in dieser Kategorie sind in der Regel immer gut zu wissen. Manchmal kann man sie auch schon vor dem Erstgespräch über Website & Co. fragen. Es sind alles Fragen, bei denen ich es als Literaturscout völlig okay und angemessen finde, wenn sie im Erstgespräch gefragt werden. Du musst also keine Angst haben, dass eine Frage übergriffig rüberkommen könnte o. Ä.
Welche Referenzen hat die Agentur? Welche ähnlichen Titel wurden vermittelt? Achtung: Manchmal sind die Referenzen auf der Website veraltet (ich pflege meine Website auch nicht nonstop) und es lohnt sich, nach aktuellen Beispielen zu fragen!
Zu welchen Verlagen pflegt die Literaturagentur gute Kontakte? (= die bestenfalls über “wir schicken eine Rundmail an einen Verteiler” hinausgehen)
Wie läuft die Zusammenarbeit ab? Was und wie viel muss der Autor liefern? Werden Projekte auf Messen und/oder außerhalb von Messen vorgestellt?
Der Sinn und Zweck dieser Fragen ist es, ein Bild von der Agentur, deren Kontakte und Arbeitsweise zu bekommen. Gerade weil Websites oft nicht aussagekräftig sind oder den aktuellen Stand wiedergeben, lohnt es sich oft, auf der Tonspur zu plaudern, um Einblicke hinter die Kulissen zu bekommen.
Fortgeschrittene Fragen für die Literaturagentur
In diesem Bereich führe ich Fragen auf, auf die ich bei meinem allerersten Agenturtelefonat niemals gekommen wäre. Jetzt, mit mehr Erfahrung, finde ich, dass die folgenden Punkte auch gut zu wissen sind.
(Wie) Werden Nebenrechte vermittelt? In der Regel vertritt dich eine Literatur vollumfänglich mit allen buchnahen und -fernen Rechten. Aber was ist mit den Rechten, die nicht unmittelbar mit der Produktion eines Buchs zu tun haben? Werden diese mit an den Printverlag abgetreten? Hat die Literaturagentur eigene Kontakte (z. B. andere spezialisierte Agenturen), die sich auf die Suche nach Rechteverwertern machen? Das ist in der Regel nicht nur klassisch für Filmrechte, sondern auch für Audio-Rechte oder Übersetzungen in andere Sprachen interessant. Als Autor ist man immer besser dran, wenn zumindest eine Partei aktiv versucht, diese Rechte zu vermitteln.
Bei welchen Verlagen sieht die Literaturagentur konkrete Chancen für das Projekt? Oftmals macht man sich beim Sichten der Unterlagen schon darüber Gedanken. Sucht eventuell ein Verlag genau so etwas? Hat ein Verlag vielleicht einmal etwas in einem Gespräch erwähnt?
Wer erstellt den Vertragsentwurf? Der Verlag oder die Agentur?
Persönliche Einschätzung hierzu: Agentur ist besser. Die Partei, die den Erstentwurf formuliert, schafft das Fundament, die Gesprächsgrundlage, und kann damit sehr vorteilhaft für sich selbst starten. Wenn der Verlag anfängt, können im Erstentwurf ganz tolle, autorenfreundliche Klauseln landen wie “der Autor überschreibt dem Verlag das Exklusivrecht an seinem Namen” oder “wenn Autor zu spät abliefert, wird das Projekt sofort einem Ghostwriter übergeben, den der Autor bezahlen muss”. Die muss man dann erst einmal durch Verhandeln wieder rausbekommen.
(Ab) Wann wird das Buch angeboten werden? z. B. zeitnah über Verteiler, auf den Buchmessen, etc.
Für Selfpublisher / Hybridautoren
Die nachfolgenden Fragen sind i.d.R. nur für diejenigen interessant, die bereits mit einem Fuß im Selfpublishing stecken, sich diese Option offen halten oder vielleicht einfach noch etwas Freiheit haben wollen, mit bestimmten Projekten selbst an Verlage heranzutreten.
Wie wird das Selfpublishing vertraglich/strategisch gehandhabt?
In erster Linie ist es immer wichtig, Klarheit zu haben, was die Unterschrift in einem Agenturvertrag (der häufig schon geschlossen wird, wenn der Agent nur ein einziges deiner Projekte kennt) zu wissen, wie es sich mit anderen Manuskripten verhält, die der Agent womöglich gar nicht vertreten möchte/würde/könnte oder für deren Schicksal du selbst in die Hand nehmen willst. Inwieweit das geregelt werden kann, hängt davon ab, welche Art Vertrag du abschließt:
- Projektvertrag: Autor entscheidet, welche Projekte er der Literaturagentur anbietet oder self-published.
- Exklusivvertrag: Autor muss jedes Projekt der Agentur zumindest zeigen, damit diese entscheiden kann, ob sie es anbieten wollen. Wenn nicht, kann Autor selbst veröffentlichen.
Das soeben aufgeführte sind nur beispielhafte Vereinbarungen, die getroffen werden können und nicht automatisch Geltung haben. Am besten individuell verbindlich abklären und schriftlich bestätigen lassen!
Wie soll karrieretechnisch mit Selfpublishing verfahren werden?
In der Regel ist es immer gut, Flexibilität zu zeigen und sicherzustellen, dass man Verlagsveröffentlichungen nicht mit parallelen SP-Veröffentlichungen “crasht”. Viele Literaturagenturen sehen sich nicht als reine Vermittler für einzelne Projekte, sondern wollen dich und deine Karriere mit aufbauen. dann ist es aber auch gut, wenn beide Seiten eine entsprechende Transparenz haben und du die Agentur z. B. vorab informierst oder auf dem Laufenden darüber hältst, welche Bücher du im Selfpublishing zu veröffentlichen gedenkst.
Fazit
Im ersten Telefonat mit einer Literaturagentur heißt es vor allem: alles kann, nichts muss. Für viele ist die Zusammenarbeit mit einer Literaturagentur lange eine Blackbox. Die oben aufgeführten Fragen dienen als Inspiration, die du nutzen kannst, um die Ungewissheit, die du vielleicht empfindest, ein wenig zu lindern.
Was würdest du von einer Agentur unbedingt vor Vertragsschluss wissen wollen? Passende Kommentare nehme ich in die nächsten Posts auf.