Selfpublishing mit Tolino Media: Erfahrungen am Limit

Tolino Media ist einer von vielen Print-on-Demand-Anbietern im deutschsprachigen Raum. Nachdem sie sich eine Weile auf den Vertrieb von E-Books fokussiert haben, bieten sie seit kurzer Zeit auch den Druck und Vertrieb von Printbüchern (Taschenbücher und Hardcover) an. Besonders attraktiv erscheint diese Option durch die enge Anbindung von Tolino zu Buchhandlungen wie Thalia. Nicht zuletzt wirbt Tolino Media regelmäßig mit erfolgreichen Printveröffentlichungen, die es auf die Auslagetische großer Buchhandlungen oder Buchhandelsketten schaffen. Aus diesem Grund konnte ich gar nicht anders, als Selfpublishing mit Tolino Media auszuprobieren. Hier findet ihr einen Erfahrungsbericht zum Thema “Bücher mit Tolino Media veröffentlichen”.

Printbücher mit Tolino Media veröffentlichen: Wie funktioniert’s?

Ich habe zwei meiner Bücher, Witches of Wick und Dancing Snowflakes, relativ zeitnah nacheinander mit Tolino Media als Taschenbuch veröffentlicht. Man bekommt hier eine eigene ISBN und befüllt eine Eingabemaske mit allen erforderlichen Informationen. Schon dabei sind mir einige Nachteile und Probleme über den Weg gelaufen, die ich jetzt mit euch teile:

Verknüpfung von E-Book und Taschenbuch: Bei Tolino Media nicht vorhanden

Während man bei anderen Anbietern wie BoD E-Books und Taschenbücher in einem Aufwasch (also mit einer Eingabemaske) veröffentlichen kann und diese auch in den entsprechenden Shops verknüpft werden, ist das bei Tolino Media (Stand 11/2022) nicht möglich. Meine Witches of Wick habe ich bei ihnen als E-Book und Taschenbuch veröffentlicht und musste dafür zwei separate Eingabemasken ausfüllen, in denen ich teilweise dieselben Inhalte einzupflegen hatte. Obwohl die Metadaten (z. B. Titel, Autorenname, usw.) identisch waren, wurden die beiden Erscheinungsformen in den Online-Shops von Buchhandlungen wie Thalia nicht verknüpft. Das heißt: Es existierten zwei verschiedene Buchseiten für E-Book und Taschenbuch mit separaten URLs, Rezensionen, usw. Wünschenswert ist das nicht.

Buchdaten bei Tolino Media hochladen: Veraltet?

Wer die Buchdaten (also die Dateien für Cover und Manuskript) hochladen will, wird hier womöglich auch auf ein Problem stoßen, das ich mit beiden Büchern hatte: Die Coverdateien sollen sogenannte “Trimboxen” und “Bleedboxen” aufweisen, ansonsten wird die Datei nicht angenommen. Ich kenne mich mit so was ja nicht aus, aber von meinen Coverdesignerinnen weiß ich, dass das wohl eine unübliche technische Voraussetzung ist, die bei anderen Anbietern nicht mehr nötig ist, weil diese den Druck auch ohne diese Boxen hinbekommen sollten.

“Qualitätsprüfung” von Tolino Media: Kleinlich

Wenn man bei Tolino Media auf “veröffentlichen” klickt, hat man noch lange nichts veröffentlicht, denn zuerst erfolgt eine manuelle Qualitätsprüfung durch einen Mitarbeitenden. Ich bin bis jetzt noch nie einfach so durch die Qualitätsprüfung gekommen, weil:

  • Über meinem Impressum nicht “Impressum” stand
  • Tolino Media mit einer meiner ausgewählten Buchkategorien nicht zufrieden war
  • Mein Manuskript Farbseiten aufwies, obwohl ich nur Schwarz-weiß-Druck ausgewählt hatte: Hier haben sie mich dazu gezwungen, die ganze Manuskriptdatei in S/W umzuwandeln, was nochmal einen enormen Zusatzaufwand bedeutet hat. Alle anderen Anbieter und Druckereien und auch mein guter, alter Drucker zu Hause verfahren anders: Wenn Schwarz-Weiß-Druck bestellt wird, wird auch schwarz-weiß gedruckt, und zwar ohne zu meckern.

Des Weiteren wurde sich einmal darüber beklagt, dass ich einen SEO-optimierten Untertitel gewählt habe. Den wollten sie mir nicht durchgehen lassen. Plot Twist: In der E-Book-Ausgabe habe ich genauso verfahren und das Buch wurde durchgewunken. Konsistente Entscheidungen? Nope!

Zwischenfazit: Selfpublishing mit Tolino Media kommt meinen Erfahrungen nach schon in Sachen Veröffentlichungsprozess mit einigen Stolpersteinen. Da gibt es bessere Selfpublishing-Anbieter.

Qualität der Taschenbücher

Wer sein Buch bei einem Anbieter wie Tolino Media veröffentlicht, möchte natürlich Produkte von einer hohen Qualität haben. Aber haben wir die? In diesem Fall sagen Bilder mehr als tausend Worte.

Im nächsten Bild seht ihr mein eigenes Probeexemplar von Dancing Snowflakes, das ich bei Tolino Media bestellt hatte. Mit Betonung auf: PROBEexemplar. Also ein erstes Taschenbuch-Exemplar, anhand dessen man die Qualität des Drucks bewertet und sich für oder gegen einen Anbieter entscheidet. Und das war die Qualität, die ich erhalten habe:

Das Buch war völlig ramponiert. Der Karton, in dem das Buch angekommen ist, war übrigens unbeschädigt, was für mich bedeutet, dass das Buch VOR Verpacken zu Schaden gekommen sein muss. Warum man sich bei einem PROBEexemplar scheinbar denkt “Ach, was soll’s, schicken wir das vermurkste Buch an die Autorin, damit machen wir sicher einen guten Eindruck” – man weiß es nicht.

Okay, aber das war ja ein Schaden in der Logistik von Selfpublishing-Anbieter Tolino Media. Die Druckqualität ist doch gut, oder?

Druckqualität bei Tolino Media

Nein, leider nicht. Sehen wir uns dazu ein Bild aus einem Video an, das ich von einer Thalia-Kundin unmittelbar nach dem Erscheinungstermin des Taschenbuchs von Witches of Wick bekommen habe:

Ihr seht richtig. Auf dem Foto ist deutlich zu erkennen, dass einfach ein ganzer “Streifen” Text nicht gedruckt wurde. Und zwar nicht nur auf dieser Seite, sondern auf mindestens 20-30 % in diesem ganzen fast 400 Seiten fassenden Buch.

Fehler passieren, ja. Und wenn das der erste Fall innerhalb von 6-12 Monaten nach Veröffentlichung gewesen wäre, hätte ich noch einen Funken Verständnis übrig gehabt. Aber das hier könnte zeitlich gesehen gut und gerne das erste Buch gewesen sein, das von den Witches of Wick über die Ladentheke gegangen ist. Damit ergäbe sich sowohl bei Witches of Wick als auch bei Dancing Snowflakes eine Ausschussquote von satten 100 % in den ersten Tagen. Warum Tolino Media bei der Qualitätsprüfung der Veröffentlichungsdaten so pingelig ist und dann selbst an ihren eigenen Erzeugnissen offenbar keine Qualitätsprüfung vornimmt(?!), verstehe ich nicht.

Das ist übrigens nicht der einzige Fall, in dem die Druckqualität nicht gepasst hat. Dunkle Cover sollte man bei Tolino Media auch nicht benutzen: Hier gibt es offenbar auch einen Ausschuss von fast 100 %. Sophie Grossalber und Juna Elwood schreiben darüber.

Zwischenfazit: Auch in der Produktion kann der Selfpublishing-Anbieter Tolino Media nicht punkten.

Werbung bei Tolino Media

Eine Sache, die von anderen Autoren sehr positiv hervorgehoben wird, sind die Werbemöglichkeiten, die Tolino Media einem kostenlos zur Verfügung stellt. Auch ich war zuerst ganz angetan von diesen tollen Möglichkeiten und bin davon ausgegangen, dass sie sich so als ernstzunehmende Konkurrenz gegenüber KDP positionieren können. Folgendes Werbepaket hat man für meinen Roman “Im Schatten schimmert das Licht” geschnürt:

  • Vorstellung im Vertriebspartner-Mailing: keine sichtbaren Auswirkungen
  • Empfehlungen der Redaktion bei buecher.de: keine nennenswerten Verkaufszahlensteigerungen
  • Thalia Deal der Woche (50% reduziert): eine Farce
  • Selfpublishing-Landingpage bei Weltbild: eine Farce
  • Teilnahme am eBook-Abo tolino select: In einem ganzen Monat habe ich über tolino select stolze 7 Exemplare “verkauft” und keine 7 € damit verdient. Dafür musste ich das Buch laut AGB noch weitere zwei Monate bei Tolino Media angemeldet lassen, da diese Peanuts sonst verfallen wären, hätte ich das Buch zu einem früheren Zeitpunkt rausgenommen, um z. B. bei KDP Select teilzunehmen.
  • Newsletter/Sonderaktionen: meines Wissens nach ist in dieser Richtung nie etwas passiert

Warum sind die Werbemaßnahmen von Tolino Media eine Farce?

Fangen wir mit der Weltbild-Aktion an: Was eigentlich klar auf der Hand liegt, mir vorab aber nicht bewusst war, ist, dass es sich bei der Werbeseite tatsächlich um eine Selfpublishing-Landingpage von Weltbild handelt, also: Eine Seite, auf der vor allem Autoren landen, die sich über Selfpublishing mit Tolino Media informieren wollen. Hier wird dann eine Auswahl Bücher angezeigt, die mit Tolino Media veröffentlicht wurden. Somit dient die Landingpage nicht dem Bewerben der Bücher, sondern schlichtweg dem Bewerben von Tolino Media, wofür die Bücher als Schaustücke genutzt werden. Überflüssig zu sagen, dass ich bei dieser Aktion keine wirklichen Auswirkungen auf die Verkaufszahlen feststellen konnte.

Die Selfpublishing-Landingpage von Weltbild ist nicht dazu da, um Leser anzuziehen

Und schließlich der Thalia Deal der Woche, von dem ich mir sehr viel versprochen habe, nur um dann doch enttäuscht zu werden. Nachdem mein Aktionszeitraum begann, habe ich immer wieder auf die Aktionsseite geschaut und nach meinem Buch gesucht – vergeblich. Unter “Young Adult & Romance”, der am besten passenden Kategorie, war es nicht zu finden. Immer und immer wieder habe ich die Seite aktualisiert – und das Buch dann gefunden. Aber es ist nicht unter “Young Adult & Romance” gelistet – du weißt schon, der Kategorie, bis zu der man scrollen würde, wenn man auf der Suche nach YA/NA Romance ist.

Stattdessen fand ich mein Buch in der Kategorie “Superschnäppchen” gaaanz unten am Seitenende, was wohl der Begriff für eine Sonderkategorie sein soll, in der ausschließlich Selfpublishing-Titel von Tolino Media gelistet werden: Und zwar in allen Genres und teilweise mit grottenschlechten Covern (allgemeine Aussage, hat nichts mit dem untenstehenden Beispielbild zu tun).

“Superschnäppchen” oder “alle Selfpublishing-Titel, die es nicht verdient haben, unmittelbar neben Verlagsbüchern gezeigt zu werden”

Das eigentliche Problem

Wenn du auf der Suche nach Schnäppchen im Bereich Romance bist, würdest du dann auf dieser Seite nur bis zum Bereich “Romance” scrollen? Oder würdest du aus welchem Grund auch immer bis zum Seitenende scrollen? Die meisten werden sich wohl intuitiv für Option A entscheiden und deshalb überhaupt nicht auf mein reduziertes Buch stoßen.

Warum ist diese Handhabe besonders schmerzhaft? Weil Tolino Media den Anschein erweckt, mit ihrer Hilfe könnte man als Selfpublisher dieselben Chancen bekommen wie Verlagsbücher. Aber genau auf dieser Übersichtsseite sieht man, wie es wirklich ist: Man bekommt zwar ein Spotlight, aber anstatt Seite an Seite mit Verlagsbüchern in einer guten Positionierung aufgeführt zu werden, wird man mit anderen Selfpublishing-Büchern aller erdenklichen Genres in eine Kategorie gepfercht – ganz unten, wo hoffentlich nie jemand auf die Bücher stößt.

Zwischenfazit: Durch die Halbherzigkeit der Marketing-Aktionen von Tolino Media können diese nicht ihr volles Potential entfalten.

Vertrieb bei Tolino Media

Als ich Witches of Wick veröffentlicht habe, lief alles reibungslos, zumindest was die Listung betrifft. Innerhalb weniger Tage war das Printbuch überall erhältlich, wo man Taschenbücher eben so kaufen kann.

Anders sah es bei Dancing Snowflakes aus – ihr wisst schon, der Winterroman, der bestenfalls vor Weihnachten verfügbar sein sollte, weil ihn nach Weihnachten keiner mehr haben will. Das war nämlich auch Tage nach Übermittlung und auch nach dem offiziellen Erscheinungstermin nirgends sichtbar.

Die Vertriebskette ist schuld

Aus diesem Grund habe ich mich an Tolino Media gewendet in der Hoffnung, dass sie das Problem schnell erkennen und beheben, damit mein Buch vielleicht doch noch passend zur Weihnachtszeit als Print verkauft werden kann. Hier findet ihr Ausschnitte aus dem Mailverlauf.

Guten Morgen,
wie kann es sein, dass mein Buch mit der ISBN 9783754664698 über eine Woche nach Datenübermittlung nur bei Amazon erhältlich ist und in keinem einzigen anderen Shop?
Beste Grüße
Annie Waye

Meine Mail an Tolino Media vom 28.10.2022

Mitte Oktober habe ich auf “Veröffentlichen” geklickt. Mehr als eine Woche später habe ich Tolino Media darauf aufmerksam gemacht, dass das Buch nur bei Amazon auch nur gelistet ist. Thalia, Hugendubel & Co. führen das Buch allesamt nicht. Reaktion: Man werde das an den Auslieferungsdienstleister weiterleiten. Schon damals habe ich nicht verstanden, was der damit zu tun haben soll. Der Auslieferungsdienstleister kann ja so oder so nichts ausliefern, wenn nichts bestellt wird, weil nichts gemeldet ist.

Hallo [Name],
könnte ich hierzu bitte ein Update bekommen? Ich finde das Buch bei Thalia & Co. immer noch nicht, und da es sich hierbei um ein Saisonbuch handelt, finde ich das langsam echt kritisch und enttäuschend.
Beste Grüße
Annie Waye

Meine Mail an Tolino Media vom 03.11.2022

Eine weitere Woche später habe ich Tolino Media geschrieben, dass sich nichts getan hat. Reaktion: Man werde das an den Auslieferungsdienstleister weiterleiten. Again.

Eine weitere Woche später ist nichts passiert. Außerdem habe ich von mehreren Amazon-Kundinnen erfahren, dass die dort bestellten Taschenbücher auch nach mehreren Wochen immer noch nicht angekommen sind. Amazon hatte noch nicht einmal einen Liefertermin festgelegt.

Die AGB von Tolino Media besagen (Stand 11.11.2022):

tolino media wird das Werk, die Metadaten und die Leseprobe unmittelbar nach der Prüfung durch die Qualitätssicherung an alle ausgewählten Vertriebspartner ausliefern.

https://www.tolino-media.de/agb/

Indem das Buch nicht mal an den einzigen Shop, der es gelistet hat, ausliefert, verstoßen sie gewissermaßen gegen ihren eigenen Vertrag. Umso mehr musste ich den Kopf schütteln, als man mir in einer langen Mail erklären wollte, dass sie selbst ja gar nicht schuld seien, sondern irgendjemand sonst in der langen Buchvertriebskette. Mit den anderen Akteuren in dieser Kette habe ich aber keinen Vertrag, sondern mit ihnen. Aber versuchen kann man’s ja.

Selbst ist der Autor

Mit mehreren Bekannten, die in Buchhandlungen arbeiten, habe ich schließlich herausgefunden, dass Dancing Snowflakes nicht (richtig) im Barsortiment gemeldet und somit nicht bei den Großhändlern verfügbar war – nur blöd, dass die meisten Buchhandlungen ihre Bücher genau von diesen Großhändlern beziehen. Eine Bekannte, die bei Thalia arbeitet, verriet mir, dass das Buch zwar bei Thalia gelistet war, aber nicht bestellbar. Ich habe Tolino Media darauf aufmerksam gemacht und darauf hingewiesen, dass sie vielleicht ihre Barsortimentsmeldung überprüfen sollten.

Auch wenn ich darauf nie eine Antwort bekommen(!) habe, war das Buch einen Tag darauf wie durch ein Wunder im Großhandel gelistet. Reiner Zufall, oder?

Unser komplettes Programm findest du in den Katalogen der Barsortimente sowie im VLB.

https://www.tolino-media.de/so-funktionierts/buchhandel/ (11.11.2022)

Kundenservice bei Tolino Media

Jetzt kommen wir zum für mich persönlich verheerendsten Punkt: Denn der Kundenservice bei Tolino Media ist quasi nicht vorhanden. Einerseits, weil man sich nicht wie ein “Kunde”, sondern wie ein Bittsteller fühlt, andererseits weil “Service” etwas ganz anderes ist als das, was Tolino Media einem bietet.

Verfügbarkeit des Kundenservices

Als ich mich wegen des Fehldrucks von Witches of Wick beschweren wollte, erreichte mich zur Buchmessezeit folgende automatische Antwort:

Liebe/r Autor*in,
Vielen Dank für deine E-Mail. Wir sind zurzeit auf der Frankfurter Buchmesse und (nach ein klein wenig Erholung) am Mittwoch, den 26.10., wieder erreichbar. In diesem Zeitraum werden deine Anfragen nicht beantwortet.

Automatischer Abwesenheitshinweis von Tolino Media

Bedeutet frei übersetzt: “Unser Kundenservice ist eine ganze Woche lang nicht erreichbar!” Ich kenne kein anderes Unternehmen in egal welcher Branche, das sich so etwas erlauben könnte und würde.

Der Ton macht die Musik

… und das vor allem im Bereich Kundenservice. Selbst wenn man keine Schulung in diesem Bereich hatte, sollte man eigentlich auf Basis des durchschnittlichen menschlichen Feingefühls wissen, wie man auf unzufriedene Kunden reagiert. Allen voran: Mit Verständnis, welches man auch verbal ausdrücken sollte. Das findet man in Mails von Tolino Media aber nur selten.

Auf eine Instagram-Story hin, in der ich die Qualität des Taschenbuchs von Witches of Wick bemängelt habe, wurde sinngemäß mit einem “Hallo, hast du das schon reklamiert?” geantwortet (dazu kommen wir gleich). Kein Wort von Bedauern oder dass das nicht der Qualitätsstandard von Tolino Media sein sollte und dass man sich gerne darüber kümmern werde, usw. usf. Nicht mal für solche Floskeln hat es gereicht. Keine der Mails, die ich je bekommen habe, hat die meine persönlichen Mindeststandards für Beschwerdemanagement erfüllt.

Allein schon, dass man im oben genannten Fall mit der Listung keinerlei (glaubwürdiges) Verständnis geäußert oder auch nur ein Update gegeben hat, während man aber konsequent die Schuld von sich geschoben hat, finde ich extrem fragwürdig. Ähnlich ging es den oben genannten Autorinnen, deren Coverdruck sehr schlecht geworden ist und denen daraufhin empfohlen wurde, doch einfach eine andere Ausstattung zu wählen.

Reklamationen bei Tolino Media

Zugegeben, es ist bei vielen Unternehmen üblich, Kunden lediglich mit Textbausteinen abzuspeisen. Manchmal kommt es aber auch auf den Einzelfall an, ob man nicht vielleicht doch etwas individueller und menschlicher reagieren sollte. So verhält es sich beispielsweise mit Reklamationen.

Bei jedem anderen Druckdienstleister, der mir bekannt ist, sind Reklamationen ein äußerst kritisches Thema – für den Dienstleister. Sobald ich bei WirmachenDruck, BoD & Co. eine Reklamation ausspreche, wird diese umgehend geprüft und fällt in 99 % der Fälle positiv aus. Entweder man bekommt sein Geld zurück oder man erhält eine kostenfreie Ersatzlieferung (oft auch in größerer Stückzahl). Man tut alles, um den Kunden zufriedenzustellen.

Aber wie wir bereits gelernt haben, ist man bei Tolino offenbar kein Kunde und hat daher auch keinen Service verdient. Reklamationen werden mit den immer selben Textbausteinen abgespeist. Wenn man doch mal eine Ersatzlieferung durchgesetzt bekommt, wird es dann aber auch schon schnell ungemütlich: In den Posts von Sophie Grossalber und Juna Elwood könnt ihr es nachlesen.

Zwischenfazit: Service? Was ist Service?

Und dann wäre da noch die Sache mit dem lieben Geld

Wenn zumindest die Sache, aufgrund derer man einen Vertrag mit Tolino Media abschließt, reibungslos ablaufen würde, wäre vielleicht alles halb so schlimm. Aber in den letzten Wochen bin ich vor allem über zwei Dinge gestolpert: Die Abrechnung und die Verkaufsübersicht.

Abrechnung bei Tolino Media

Die Abrechnung erfolgt monatlich. Für eBook-Verkäufe in den Shops der tolino-Allianz und für tolino select geschieht dieses i.d.R. innerhalb von 14 Tagen nach Monatsende für den jeweils vorangegangenen Kalendermonat. Für alle weiteren eBook-Vertriebspartner und -kanäle erfolgt die Bereitstellung einer Abrechnung i.d.R. acht Wochen nach Monatsende für den jeweiligen Abrechnungsmonat.

Quelle: https://www.tolino-media.de/hilfe/faq/abrechnung/ (Stand 10.01.2023)

Oben seht ihr, wie die Abrechnung bei Tolino Media funktioniert. Es gibt somit zwei verschiedene Abrechnungsgrundlagen: Einmal die Abrechnung für Verkäufe innerhalb der tolino-Allianz und einmal für außerhalb.

Für jede dieser Kategorien gilt separat eine Auszahlungsschwelle. Wenn diese nicht erreicht wird, wird nicht ausgezahlt.

Was bedeutet das für mich in der Praxis? Während ich für Verkäufe innerhalb der tolino-Allianz mit regelmäßigen Auszahlungen rechnen konnte, war das mit Verkäufen außerhalb nicht so. Aktuell sind noch Beträge von vor über einem halben Jahr(!) ausstehend, weil die Auszahlungsschwelle nicht erreicht wurde.

Ob ich das Honorar vom 30.06.2022 wohl jemals sehen werde?

Verkaufsübersicht bei Tolino Media

In der Verkaufsübersicht könnt ihr den Stand der Dinge, was eure E-Book-Verkäufe betrifft, nachverfolgen. Aber das war’s dann auch schon. Wenn ihr wissen wollt, wie viele Taschenbücher ihr via Tolino Media verkauft habt, müsst ihr euch bis zur Abrechnung gedulden. Die bekommst du für Printbücher aber aktuell nur quartalsweise innerhalb von 8 Wochen nach Quartalsende (Quelle: s. o.). Das bedeutet: nur viermal pro Jahr und extrem verzögert. Es ist unmöglich, sich einen aktuellen fortlaufenden Überblick über seine Verkaufszahlen zu machen und seine Verkaufserfolge zu messen. Wie an so vielen Baustellen arbeitet Tolino Media offenbar daran – aber eigentlich sollte eine Verkaufsübersicht zum Standard in Sachen Selfpublishing-Plattformen gehören.

Zwischenfazit: Seine Verkäufe verfolgen zu können und rechtzeitig bezahlt zu werden, sind zwei der wichtigsten Dinge, die Selfpublisher benötigen, um erfolgreich veröffentlichen zu können. Die Selfpublishing-Plattform Tolino Media bietet beides nur in eingeschränktem Umfang an und bleibt damit hinter der Konkurrenz zurück.

Meine Tolino Media Erfahrungen zusammengefasst

Meine freie Interpretation auf Basis meiner Erfahrungen: Tolino Media hat ein so strotzendes Selbstbewusstsein, dass sie glauben, sie könnten es sich leisten, so mit ihren Autoren umzugehen. Aber wir Autoren reden auch untereinander. Wir sprechen Empfehlungen aus – und auch Warnungen. Das hier ist eine solche Warnung.

Die Selfpublishing-Plattform Tolino Media ist in allen oben genannten Punkten (Veröffentlichungsprozess, Druckqualität, Marketing, Vertrieb, Kundenservice, Auszahlung) hoffnungslos durchgefallen. Es gibt keinen Grund oder Vorteil, weshalb man hier und nicht bei einem anderen der vielen Anbieter veröffentlichen sollte. Ich selbst werde meine Bücher zeitnah aus dem Verkehr ziehen, falls Tolino Media nicht schon selbst dafür sorgt (siehe “Vertrieb”).

Im E-Book-Bereich habe ich zumindest hinsichtlich Auslieferung keine so grottenschlechten Erfahrungen mit Tolino Media gemacht. Vielleicht ist das ein Zeichen von “Schuster, bleib bei deinen Leisten” oder in anderen Worten: Wenn man eine Sache nicht gut angehen kann oder will, sollte man es vielleicht einfach bleiben lassen.

Mit welchem Dienstleister wart ihr zuletzt unzufrieden? Und gibt es überhaupt noch Anbieter, die zufriedenstellende Arbeit erledigen? Lasst es mich in den Kommentaren wissen.

Disclaimer: Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Erfahrungsbericht, der auf meinen eigenen subjektiven Erfahrungen basiert. Für alle angeführten Punkte liegen Belege in Form von Mails, Screenshots & Co. vor, die ich aber aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht öffentlich teile.

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Ein Kommentar

  1. Printbücher bei TolinoMedia zu veröffentlichen ist bei einer eigenen Coverherstellung eine Qual wegen der geforderten Beschnittränder, die bei der Konkurrenz durch die Software erledigt wird. Da muss T-Media noch viel in der Bedienerfreundlichkeit lernen, denn Autoren sind zumeist keine Drucktechniker. So würde ich auch von diesem Anbieter abraten!

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