Wann du einen Verlagsvertrag ablehnen solltest

Das Ziel der meisten Autoren ist der Verlagsvertrag. Die Zusage eines Verlags, der dein Buch bei sich veröffentlichen möchte. Es ist ein absoluter Traum und der erste Schritt in Richtung veröffentlichter Autor. Aber manchmal kann es besser sein, einen Verlagsvertrag abzulehnen.


Verlagsvertrag abgelehnt

Seit Januar 2021 zähle ich zu den veröffentlichten Autoren. Dabei ist es mir wichtig, auch die negativen Seiten des Autorenlebens zu beleuchten – auch auf das Risiko hin, ein paar rosarote Seifenblasen platzen zu lassen. Es gibt aber auch Dinge, über die nicht mal ich öffentlich spreche. Teilweise auch, weil mir die Worte fehlen.

Eines dieser Dinge ist die Tatsache, dass am 06.09.2021 eventuell ein Buch von mir erschienen wäre. Das ist aber nicht passiert. Warum nicht?

Ich bin keine Debütantin mehr, sondern habe das Glück, 2021 bei drei verschiedenen Verlagen veröffentlicht haben zu dürfen. Aktuell ist Impress (Carlsen) mein „Stammverlag“. Wenn mich ein neuer Verlag mich von meinem Stammverlag „abwerben“ möchte, sollte er ein Angebot machen, das mindestens genauso gut ist wie meine aktuellen Konditionen. Ist ja logisch, oder? Alles andere wäre ein Rückschritt für mich.

Ich habe von einem Verlag (ebenfalls ein Imprint, also auf derselben „Ebene“ wie Impress) ein objektiv schlechteres Angebot bekommen. Das „Angebot“ besteht nicht nur aus den Tantiemen (die waren gleichwertig), sondern auch aus den Rahmenbedingungen wie der Veröffentlichungsform, den Nebenrechten und teilweise auch aus dem angestrebten Marketing. Und auf diesen Ebenen habe ich mich im Vergleich zu Impress deutlich benachteiligt gefühlt.

Ich wollte dann Konditionen nachverhandeln, die bei meinem aktuellen Verlag „Standard“ sind, und allein das ist schon schlecht bei ihnen angekommen. Man war sehr zögerlich, überhaupt auf meine Verhandlungsversuche einzugehen, und im Endeffekt habe ich hauptsächlich schwammig formulierte Zugeständnisse bekommen. Ich hatte das Gefühl, über den Tisch gezogen zu werden, und abgelehnt. Die Reaktion: Ein schlechteres Folgeangebot inklusive Vorwürfe an mich (die beste Grundlage für eine zukünftige Zusammenarbeit, würde ich sagen).


Warum schreibe ich das hier nun?

Weil sich viel zu viele Autoren unter Wert verkaufen. Es passiert nicht selten, dass jemand von uns unausgeglichene Verträge unterschreibt und alle möglichen Rechte, die Seele, das Erstgeborene an Verlage abtritt – einfach nur, weil wir verzweifelt sind, weil wir doch schon seit X Wochen/Monaten/Jahren nach einem Verlag suchen. Ich nehme mich da selbst nicht raus. Aber genau das führt zu einer Abwärtsspirale, in der sich Verlage zu immer schlechteren Angeboten hinreißen lassen – weil sich niemand traut, Nein zu sagen, und dann der Eindruck entsteht, als würden Autoren alles unterschreiben, was sie vorgesetzt bekommen.

Sei nicht so ein Autor.

Wer nicht weiter weiß: Sprecht mit anderen Autoren, eurer Agentur, einem Anwalt. Und wenn das Bauchgefühl nicht passt: Absagen. Egal, wie sehr der Verlag über das Manuskript, die Charaktere oder die Schreibe geschwärmt hat, um die Unterschrifts-Hand locker zu machen (denn das tun sie immer, bei jedem Autor und jedem Manuskript, selbst wenn sie dir das Gefühl geben, besonders zu sein). Es gibt nichts Schlimmeres, als X Jahre in der Falle zu sitzen (aufgrund der mehrjährigen Vertragsdauer).

Merke dir:

  1. Du musst einen Vertrag nicht sofort unterschreiben. Lass dir Zeit und schlafe ein paar Nächte drüber.
  2. Trau dich, die Dinge einzufordern, die dir zustehen. Das bezieht sich nicht nur auf Tantiemen, sondern z. B. auch auf die Einbehaltung von Nebenrechten oder Leistungen, die der Verlag zu bieten hat. In meinem Fall ging es konkret um Marketing-Maßnahmen und die Veröffentlichungsform meines Manuskripts.
  3. Berate dich mit Leuten, die sich besser auskennen als du (s.o.).
  4. Lehne ab, wenn es nicht passt. Trau dich, abzulehnen!

Ich veröffentliche lieber gar nicht, als falsch zu veröffentlichen.

Wobei … das Buch wird trotzdem veröffentlicht, aber nicht bei diesem Verlag. Weil sich Türen ja bekanntlich öffnen und schließen.

Eine längere Version über das Debakel mit dem Verlag könnt ihr bei Patreon nachlesen.


Die Unsicherheit bleibt

Das Gewimmel aus Verlagen und Literaturagenturen kann einen schnell um den Verstand treiben.

Bei welchem Verlag soll ich mich bewerben?

Habe ich mir einen seriösen Verlag rausgesucht oder ist er ein schwarzes Schaf?

Sollte ich doch lieber zuerst eine Literaturagentur finden?

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