Weltenbau für Fantasy-Romane: Eine Anleitung

Fantasy – das Genre der unbegrenzten Möglichkeiten. Wer einen Roman schreiben will und sich dabei z.B. am Genre High Fantasy versucht, wird kaum um die Erschaffung einer eigenen Welt herumkommen. Ein sauberer Weltenbau kann das entscheidende Kriterium sein, (k)eine Zusage vom Verlag zu erhalten.

Beim Plotten könnte man hierbei aber schon früh auf ein Problem stoßen: Wo soll ich nur anfangen? Und was muss ich beachten, um eine plastische, greifbare und „runde“ Welt zu gestalten? Ich habe die wichtigsten Punkte zum Weltenbau für dich zusammengestellt.

Ein Vorbild für den Weltenbau

Eine ganze Welt aus dem Nichts zu erschaffen, kann eine sehr schwierige Aufgabe sein. Vor allem denjenigen, die sich zum ersten Mal an dieses Projekt heranwagen wollen, hilft es vielleicht, sich ein Vorbild aus der realen Welt zu suchen, z.B. das feudale Europa, der mittelalterliche Orient, die Samurai-Ära in Japan, etc. Das hat den Vorteil, dass man einerseits durch Recherche eine große, plastische Basis für seine Welt schaffen kann – und andererseits nicht an die Realität gebunden ist und Faktoren verändern kann, wie es einem beliebt.

Geographie

maps lying on the floor

Das Erste, worüber man sich beim Weltenbau Gedanken macht, ist die Welt selbst. Welche Länder, Städte, Meere, Flüsse, Seen, Wälder, Gebirge gibt es? In welchen Bereichen spielt sich dein Roman ab? Sobald der grobe Umriss deiner Geschichte feststeht, kannst du hier auch in die Tiefe gehen: An welchen Orten und Schauplätzen sollen deine Protagonisten sich aufhalten? Inseln, Höhlen, Ruinen, Schlösser? Müssen sie irgendwann Schutz suchen? Sich verstecken? Oder gibt es einen bestimmten Ort, den sie erreichen müssen? Auch wenn die Details sich vielleicht schon früh in deine Planung einschleichen, solltest du das Grobe nicht vernachlässigen, da genau diese Faktoren deine Welt greifbarer und realistischer machen.

Klima

forest and mountain partially covered with fog

Das Klima ist ein Punkt, der beim Weltenbau oft außenvorgelassen wird – dabei ist er mindestens so wichtig. Ist das Klima eher warm oder kalt? Feucht oder trocken? Welche Jahreszeiten gibt es und wie unterscheiden sie sich voneinander? Wie wirkt sich das auf die Flora, Fauna und das Leben der Menschen aus? Wie kann das Klima deinem Protagonisten das Leben schwer machen, beispielsweise durch plötzliche Umschwünge oder Katastrophen?

Geschichte

Jeder noch so kleine Ort hat eine Geschichte. Eine ganze Welt hat wahrscheinlich Umengen davon, die meistens nicht erst auf Seite 1 des Romans beginnt. Was ist in der Vergangenheit passiert? Wie hat es die Menschen und ihr Umfeld beeinflusst? Welche Persönlichkeiten gab es in der Vergangenheit und was hat sie unvergesslich gemacht? Welche Katastrophen, Erfolge und schwierige Phasen hat deine Welt hinter sich? Gab es vielleicht einmal Krieg? Eine Revolution oder sonstigen Umsturz? Eine Rebellion, die aber zerschlagen wurde?

Die Geschichte deiner Welt wirkt sich direkt oder indirekt auf jeden anderen Punkt aus. Es lohnt sich also, sich darüber Gedanken zu machen, weil es dabei helfen kann, einige Lücken in deinen Überlegungen zu füllen und dich auf neue Ideen zu bringen.

Gesellschaft

aerial view of people walking on raod

Die Gesellschaft, in der die Protagonisten sich wiederfinden, hat einen erheblichen Einfluss auf den Plot und auch auf die Schwierigkeiten, in die die Charaktere geraten könnten. Stammen die Protagonisten aus derselben Gesellschaft wie ihre Umgebung, oder kommen sie aus einer anderen Zeit, einem anderen Land, einer anderen Welt? Gibt es verschiedene Völker und Rassen? Wie unterscheiden sie sich?

Welche sozialen Schichten finden sich in deiner Fantasy-Welt? Gibt es hier eine klare Hierarchie wie bei einem Kasten-System? Gibt es eine klassische Aufteilung zwischen Adel – Mittelstand – Arme? Wodurch unterscheiden diese Schichten sich? Welche Vor- und Nachteile erwarten Angehörige der jeweiligen Schicht? Dürfen Menschen aus unterschiedlichen Schichten heiraten?

Wer hat einen Einfluss auf die Gesellschaft? Eine Regierung? Ein Diktator? Ein Popstar, den die ganze Gesellschaft verehrt? Wodurch werden sie angetrieben? Was sind die Ängste und Ziele, die sie alle gemeinsam haben?

Die Gesellschaft ist einer der entscheidenden Faktoren für deinen Weltenbau. Wer ist deinem Protagonisten freundlich oder feindlich gesinnt, und warum? Welche Vor- und Nachteile ergeben sich für ihn?

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Technologie

macro photography of black circuit board

Dieser Punkt erklärt sich wahrscheinlich von selbst und ist stark vom allgemeinen Setting deiner Welt abhängig (siehe Punkt 1). Spielt deine Geschichte in einer mittelalterlichen Welt, musst du dir keine Gedanken über Passagierdrohnen machen (außer genau dieser Kontrast macht deine Welt aus). Stattdessen interessierst du dich vielleicht mehr für Waffen oder Magie, die dort angewendet werden, um das Leben und den Kampf zu erleichtern.

Technologie ist ein gutes Beispiel dafür, wie die einzelnen hier aufgeführten Faktoren zusammenspielen. Verbindet man diesen Punkt mit „Gesellschaft“, könnte man sich die Frage stellen, welche gesellschaftlichen Schichten Zugriff auf welche Technologien haben. Bei einer Kombination mit der Geschichte deiner Welt könnte man sich Gedanken darüber machen, ob die Technologie sich die Technologie in den letzten Jahren zum Positiven (= Hilfe für deine Völker), zum Negativen (= Bedrohung für deine Völker) oder zurückentwickelt hat (z.B. weil sie zerstört wurde, etwa durch einen verheerenden Krieg).

Es gilt: Technologie kann das Leben durch ihre Präsenz oder Abwesenheit vereinfachen oder erschweren. Spiele ein bisschen mit den Möglichkeiten und finde heraus, welcher Technologiegrat am besten für dich passt. Die industriellen Revolutionen können ein guter Anhaltspunkt sein.

Sprache

photo of open book

Sprache ist ein Thema, bei dem man es sich einfach oder kompliziert machen kann. Im ersteren Fall sprechen alle Figuren dieselbe Sprache, im aufwändigsten Fall gibt es verschiedene Völker mit verschiedenen Sprachen, die einander nicht verstehen können und deshalb mit Händen und Füßen kommunizieren müssen. Auch innerhalb der einheitlichen (oder nicht-einheitlichen?) Sprache kann es Unterschiede geben, z.B. bei Dialekten, Akzenten, Slangs oder Wörtern, deren Bedeutung sich bei verschiedenen Personengruppen unterscheidet.

Hierbei stellt sich die Frage, ob du bei verschiedenen Sprachen eine implizite oder explizite Kennzeichnung bevorzugst. Bei einer impliziten Kennzeichnung werden die verschiedenen Sprachen z.B. deutlich, indem dein Protagonist sein Gegenüber nicht versteht. Bei einem expliziten Gebrauch würdest du zu Show, don’t tell übergehen und die wörtliche Rede des Gesprächspartners wiedergeben. Dazu müsstest du also zumindest Bruchstücke der Sprache selbst erfinden. Das kann ein großer Aufwand sein, und man sollte es auf keinen Fall (z.B. mit mehrere Sprachen und umfangreichen Glossars) übertreiben, da dies das Leseerlebnis beeinträchtigen kann.

Die Sprache ist ein kritischer Weltenbau-Faktor. Versuche, einen guten Mittelweg zu finden!

Religion

cross stand under purple and blue sky

Eine Religion inklusive Bräuchen, Normen, Werten und geistlicher Hierarchie zu erschaffen, kann auf den ersten Blick anstrengend wirken. Natürlich kann deine Welt auch voller Agnostiker sein. Aber eine eigene Religion kann deinem Weltenbau und nicht zuletzt deiner Gesellschaft und deinen Protagonisten eine gewisse Tiefe verleihen. Damit erschaffst du eine zusätzliche geistige Ebene, die deine Charaktere in ihrem Denken und Handeln lenkt. Außerdem sorgen nicht zuletzt unterschiedliche Religionen immer wieder für Konflikte.

Du siehst also – Religion kann seiner Welt und nicht zuletzt deinem Plot eine gewisse Würze verleihen!

Weltenbau: Worauf wartest du noch?

Leg los und kreiere deine ganz eigene Fantasy-Welt! Und behalte dabei stets eines im Hinterkopf: Egal, auf welche Punkte du dich fokussierst und ob du ein Vorbild für deine Welt hast oder nicht – es ist eine Fantasy-Welt. Das bedeutet: Alles ist möglich!

Fantasy-Welten müssen nicht immer an das europäische Mittelalter angelehnt sein. Sie müssen sich auch nicht auf eine Zeitepoche beschränken (Passagierdrohnen im Mittelalter klingt auf einmal gar nicht mehr so schlecht, oder?). Tob dich bei deiner Welt aus, ohne dich selbst zu beschränken, und das Ergebnis wird eine einzigartige und plastische Welt sein, die nur darauf wartet, deinen Plot beherbergen zu dürfen!

Du hast noch nicht genug?

Finde hier ein Handout zum Thema Weltenbau, das alle beschriebenen Punkte in einer praktischen Checkliste zusammenfasst und dir noch weitere, wertvolle Tipps mit auf den Weg gibt.

Du willst wissen, wie du deine Welt am besten ins Exposé einbaust? Dann sieh dir diesen Beitrag an.

Wodurch unterscheidet sich „deine“ Welt am meisten von unserer? Lass uns gemeinsam in sie eintauchen!

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